820  Tripper.

der  Zerstörung  unterliegt,  wird  den  Leserinnen  klar  sein,  welche  alles  über
Gebärmutterleiden  in  diesem  Buche  Gesagte  begriffen  haben.

Eine  weitere  Steigerung  des  Zustandes  liegt  in  der  Erkrankung  der
Eileiter.  Der  Eileitertripper  kann  sich  auch  auf  das  Bauchfell  übertragen
und  dann  lebensgefährlich  werden,  oder  er  setzt  sich  auf  die  Eierstöcke  fort.
Unter  Fieber,  heftigen  Schmerzen  bilden  sich  Eitersäcke  an  den  Eileitern,  oder
die  Ovarien  entzünden  sich  und  vereitern,  es  entstehen  heftige  Blutungen,
oder  es  versiegt  die  Menstruation  vollständig,  wenn  sämtliches  eiertragendes
Gewebe  in  den  Eierstöcken  vernichtet  ist.  Dann  ist  die  Frau  im  doppelten
Sinne  unfruchtbar  geworden,  zuerst  weil  die  Gebärmutterschleimhaut  den
Ansatz  einer  befruchteten  Eizelle  nicht,  mehr  gestattet,  dann  weil  aus  den  eitrig
erkrankten  Eierstöcken  überhaupt  keine  Eizellen  mehr  abgeschickt  werden.  Die
Schmerzen  sind  heftige  und  die  Nervosität  nimmt  zu.  An  dieser  furchtbaren
Wirkung  mag  man  die  Gefahr  der  Trippererkrankung  für  das  weibliche
Geschlecht  ermessen.  Tausende  gesunde,  lebensfrohe  junge  Frauen  sind  in  und
außerhalb  der  Ehe  durch  die  Tripperinfektion  des  Mannes  zu  jahrelangem,
schwerem  Siechtum  verurteilt  worden,  zu  frühem  Tod  oder  zu  lebensgefährlichen
  Operationen.  Die  leichtfertige  Auffassung  einer  Trippererkrankung  ist
daher  ganz  unverzeihlich.

Es  hat  durchaus  keinen  Zweck,  alle  Formen  der  Trippererkrankung  in
einem  Buche  für  Laien  breit  auszuführen  und  dadurch  bei  den  Leserinnen
Angst  und  falsche  Vorstellungen  zu  erwecken.  Unsere  Angaben  genügen,  um
die  nötige  Aufklärung  zu  geben.  Man  mache  sich  nur  mit  der  ersten  Abwehr
vertraut,  der  es,  richtig  durchgeführt,  fast  immer  gelingt,  die  Verbreitung
der  Entzündung  nach  den  inneren  Organen  der  Frau  zu  verhüten  und
alle  krankhaften  Erscheinungen  rasch  zu  mildern.  Man  versäume  jedoch  nie,
sofort  bei  Beginn  der  ersten  auffälligen  Anzeichen  eine  Bestätigung  des
Zustandes  beim  Arzte  einzuholen.  Eine  Form  der  männlichen  Trippererkrankung
  bringen  wir  in  Fig.  453.  Es  ist  die  Entzündung  und  Schwellung  der
Vorhaut  nach  heftiger  Infektion.  Die  Eichel  wird  durch  sie  hinten  abgeschnürt
(Paraphimose)  und  die  Beschwerden  sind  große.  Es  ist  so  starke  Schwellung
der  Vorhaut  nicht  eine  Begleiterscheinung  jedes  Grades  der  Ansteckung.

Behandlung.  Treten  gleichzeitig  Fieber  und  heftiges  Brennen  ein,
so  sind  Bettruhe  und  halbstündlich  zu  wechselnde  kalte  Umschläge  sowie  nasse
Tampons  notwendig.  Dann  mache  man  Sitzbäder  von  30%  auf  18°  C.  abgekühlt,
  von  10  Minuten  Dauer  und  lasse  im  Heißluftbad  tüchtig  schwitzen.
Auch  Ausspülungen  der  Scheide  sind  hier  nötig,  um  das  Wundwerden
durch  den  ätzenden  Ausfluß  zu  verhindern,  sowie  das  Brennen  und  die  Ansammlung
  der  gefährlichen  Ausscheidungen  zu  vermindern.  Man  macht  sie
lau  mit  Zusatz  von  Wasserstoff-Superoxid,  welches  desinfizierend  wirkt.
Gelingt  es  durch  die  Wasserbehandlung  und  durch  die  Bettruhe,  den  entzündlichen
  Prozeß  auf  die  Scheide  zu  beschränken,  so  wird  rasch  Heilung  ohne