822  Turnen.

Häuten  wie  Brust=  und  Bauchfell,  Hirnhaut  usw.  (Milliartuberkulose),  an
Knochen  und  mit  Vorliebe  in  den  Lungen.  Der  Verlauf  ist  schleichend,  die
Neigung  zur  Heilung  gering.  Abmagerung,  allgemeine  Schwäche,  schleichendes
Fieber,  Schmerzen  sind  die  allgemeinen  Anzeichen.  Direkte  Vererbung  ist
selten  nachzuweisen,  wohl  aber  vererbt  sich  ein  „schwindsüchtiger  Bau“  und
jene  Schwäche,  welche  zu  tuberkulösen  Erkrankungen  geneigt  macht.  Daher
sollten  die  Nachkommen  tuberkulöser  Eltern  eine  ganz  besondere,  zielbewußte
Pflege  und  Erziehung  genießen,  besser  noch  natürlich:  ausgesprochen  tuberkulöse
  Menschen  sollten  niemals  Kinder  in  die  Welt  setzen,  denn  es  ist  unter
den  heutigen  sozialen  Verhältnissen  unmöglich,  ihnen  allen  jene  idealen  Verhältnisse
  zu  schaffen,  die  notwendig  sind,  um  sie  vor  gleicher  Erkrankung  zu
bewahren.  Viel  Sonne,  ozonreiche  Luft  (Wald=  und  Seeluft)  vorwiegende
Fruchtdiät,  kräftigende  Arbeit  im  Freien  (nicht  in  Werkstätten  und  Bureaus)
Nackt-Gymnastik  —  das  sind  die  Hauptfaktoren  bei  der  Erziehung  jener
jungen  Menschen,  die  tuberkulöse  Anlagen  zeigen.  Die  Erkrankten  aber  sollten
nicht  in  Steinhäuser  gelegt  werden,  nicht  Fleischkost  und  Kreosot  und  Wein
erhalten,  sondern  in  südlicher  Gegend,  wo  wir  unvergleichlich  mehr  Sonne
haben  als  in  Mitteleuropa,  und  wo  diese  Sonne  auch  wärmer  ist  und  daher
Wunder  wirkt,  in  offenen  Baracken  nach  den  bereits  tausendfach  bewährten
Prinzipien  der  physikalisch-diätetischen  Heilmethode  (sog.  Naturheilmethode)
  gepflegt  werden.  Wenn  jetzt  ein  Drittel  aller  an  Krankheiten  Sterbenden
an  Tuberkulose  zugrunde  geht,  so  wird  die  bessere  Hygiene  der  Zukunft
und  die  zunehmende  Alkoholabstinenz  diese  ungeheure  Zahl  nicht  nur  vermindern,
  sondern  eine  ärztliche  Behandlung  in  diesem  Sinne  wird  von  den
Erkrankten  sicher  zwei  Drittel  retten  und  dem  Leben  wiedergeben.

Turnen.  Für  Gesunde  ist  es  zweifellos  stärkend  und  für  das  weibliche
Geschlecht  ganz  unentbehrlich,  weil  ihm  sonst  jegliche  körperliche  Dressur  fehlen
würde.  In  der  Schule  dient  es  dazu,  die  üble  Wirkung  des  langen  Sitzens,  die
übermäßige  geistige  Anspannung  der  Kinder  dadurch  auszugleichen,  daß  es  verschiedene
  Bewegungen  und  tiefere  Atmung  zur  Bedingung  macht  und  daher  eine
Ansammlung  von  Ermüdungsstoffen  im  Gehirn  verhindert.  Im  übrigen  aber
kräftigt  es  Körper  und  Mut,  erhöht  die  persönliche  Geschicklichkeit  und  vermehrt
den  Stoffwechsel.  Aber  sind  alle  diejenigen  gesund,  welche  turnen  und  oft  mit
Begeisterung  turnen?  Leider  nein!  Die  einen  haben  erregte  Herznerven,  die
anderen  Zirkulationsstörungen,  die  einen  erschlaffte  Beckenorgane  und  daher
Beschwerden,  die  anderen  bekommen  auf  jede  größere  Anstrengung  vermehrte
Menstruation;  die  einen  haben  beständig  mit  Kopfschmerz  zu  tun,  welchen  das
Turnen  noch  vermehrt,  und  die  anderen  haben  Kreuzschmerzen  nach  allem,  was
sie  unternehmen.  Diese  alle  sagen:  „Wir  vertragen  das  Turnen  nicht!“  Ganz
richtig,  es  wird  ohne  Anpassung  an  ihre  Zustände  geübt  und  muß  ihnen  daher
schaden.  Darum  spielt  die  Heilgymnastik  heutzutage  eine  so  große  Rolle.
Sie  ist  nichts  anderes  als  systematisches  Turnen,  aber  den  körperlichen  Kräften