Typhus  —  Übelkeit.  823

und  den  krankhaften  Zuständen  angepaßt,  nicht  für  alle  gleich,  wie  das
„Turnen“,  sondern  für  jedes  anders.  Darum  also,  wer  das  Turnen  nicht
verträgt,  heile  sich  unter  ärztlicher  Leitung  erst  aus,  kräftige  sich  durch  Heil—
gymnastik  und  trete  dann  erst  einem  fröhlichen  Turnverein  bei.  Besonders
vorsichtig  sei  man  mit  dem  Turnen  bei  schwächlichen  jungen  Mädchen.

Typhus.  Unter  schlechten  Lebensverhältnissen,  bei  Hunger,  verdorbener
Luft,  schlechtem  Wasser  entwickelt  sich  das  Typhusgift,  das  sehr  leicht  übertragen
  wird  und  zu  schweren  Erkrankungen  führt.  Der  Sitz  der  Krankheit  ist
der  Darm,  in  welchem  sich  Geschwüre  entwickeln;  heftiges  Fieber,  Besinnungslosigkeit,
  erbsenwasserähnliche  Stühle,  schwerer  Kopfschmerz  im  Beginn  der
Krankheit  usw.  sind  die  Begleiterscheinungen.  Sie  kann  mehrere  Wochen
andauern.  Bei  gutartigen  Fällen  tritt  in  der  zweiten  Woche  schon  Besserung
ein.  Man  unterscheidet  Fleck=  und  Unterleibstyphus.  Der  Typhus  ist
eine  schwere  Krankheit  und  bedarf  sorgfältiger  ärztlicher  Beaufsichtigung.

Behandlung.  Lebt  man  vernünftig  und  weiß  man  äußeren  Gefahren,
z.  B.  schlechtem  Trinkwasser,  zu  begegnen,  so  wird  sich  das  Typhusgift  gar
nicht  entwickeln.  Größte  Reinlichkeit  hat  den  Kranken  zu  umgeben,  tägliche
Halbbäder  von  37°  C.  mit  kühleren  üUbergießungen,  je  nach  Fieber  und
Kräftezustand  ausgeführt,  laue  Leibaufschläge  und  Klystiere  usw.  bringen  nicht
nur  Linderung,  sondern  auch  Heilung.  Als  Nahrung  darf  nur  Flüssiges
gereicht  werden,  um  jeglichen  Darmreiz  zu  verhüten,  da  sonst  Darmblutungen
oder  Durchbruch  der  Geschwüre  nach  der  Bauchhöhle  zu  eintreten  können.
Schleimsuppen,  Mandelmilch,  Heidelbeer=  und  etwas  Zitronensaft  sind  ausreichend.
  Gegen  den  oft  heftigen  Durst  gibt  man  gutes  Wasser,  mit  den
genannten  Fruchtsäften  vermischt.  Später  kann  man  löffelweise  rohe  Milch
bester  Qualität  reichen.  Die  Wäsche  des  Typhuskranken  muß  sofort  in  eine
5%  Karbolsäurelösung  gelegt  werden,  die  Fenster  des  Krankenzimmers  seien
stets  geöffnet  und  die  Ausleerungen  sollen  sofort  mit  Kalkmilch  versetzt  werden.

U  z

Ubelkeit.  Bei  verdorbenem  Magen  geht  dem  Brechakt  ein  mit
Ekel  verbundenes  Unbehagen  voraus,  das  man  libelkeit  neunt.  In  solchem
Falle  kürzt  man  es  ab,  wenn  man  sich  zwingt,  ein  Glas  Wasser  auszutrinken
oder  den  Finger  in  den  Rachen  zu  stecken,  worauf  meist  das  Erbrechen
beginnt,  das  Erleichterung  bringt.  Es  gibt  aber  auch  anhaltende  Ubelkeit  von
nervösem  Charakter,  wie  bei  Schwangerschaft  oder  gewissen  Frauenleiden,
ferner  bei  Magenerlrankungen,  und  zwar  hauptsächlich  beim  Magenkatarrh.
In  solchen  Fällen  muß  also  zuerst  die  Ursache  gesucht  und  dann  für  alle  Fälle
Nahrungsaufnahme  vermieden  werden.  Gewöhnlich  bringt  ein  warmes  Sitz-