824  überbein  —  Umschläge.

bad  oder  Vollbad  von  zehn  Minuten  Dauer  Besserung,  und  hat  man  diese
nicht  gleich  zur  Stelle,  dann  sind  ein  paar  Schluck  Sodawasser,  ein
halbes  Brausepulper,  ein  paar  Eisstückchen  sehr  wirksam.

üÜberbein.  Man  bezeichnet  damit  eine  kleine  Geschwulst,  die  sich
an  Sehnen  entwickelt  und  mitunter  durch  überanstrengung  entsteht.  Sie  ist
ungefährlich,  aber  an  der  Hand  störend  und  häßlich.  Man  versucht  sie
durch  Dampf  und  sehr  kalte  Güsse,  durch  kräftige  Massage  oder  festen
Druckverband  zur  Verteilung  zu  bringen.  Wenn  dies  alles  nicht  hilft,
bleibt  nur  die  operative  Entfernung  übrig.

übergießungen.  Sie  gehören  zu  den  angenehmsten  Wasseranwendungen.
  Dusche  kann  sich  nicht  jeder  einrichten,  aber  eine  übergießung
bedarf  nur  eines  leeren  Gefäßes  irgendwelcher  Art,  in  das  man  sich  hineinkauert,
  und  eines  Eimers.  Sie  wird  ausgeführt,  wie  Fig.  372  es  zeigt:
Man  läßt  sich  das  Wasser  auf  den  Rücken  gießen  und  sorgt  durch  Reibung
für  allseitige  Benetzung.  Sehr  anregend  und  kräftigend  sind  Übergießungen
mit  warmem  und  kaltem  Wasser.  Milde  wirkt  37°  C.  und  als  nachfolgende
Temperatur  30°  C.  Will  man  stark  ableitend  oder  erregend  wirken,  so  nimmt
man  zuerst  40°%  und  dann  25%  C.  und  gießt  das  kältere  Wasser  bei  erregbaren
Personen  nicht  gleich  auf  den  Rücken,  sondern  erst  auf  die  Knie  und  das
Kreuz,  dann  erst  auf  das  Genick.  Die  Anwendung  soll  in  drei  bis  vier
Minuten  beendet  sein;  darnach  frottiert  man  entweder  kräftig  oder  sorgt  für
Nacherwärmung  im  Bette.  Kräftigere  Personen  sollen  sich  durch  Bewegung
erwärmen,  am  besten  einen  Spaziergang  darnach  machen.

Die  Übergießung  gehört  zu  den  praktischsten  Anwendungsformen,  die
auch  im  kleinsten  Haushalt  und  mit  ganz  wenig  warmem  Wasser  (z.  B.  nur
auf  dem  Spirituskocher  erwärmt)  jederzeit  rasch  ausführbar  sind.  (Siehe
Tafel  Nr.  29.)

Umschläge.  Man  unterscheidet  kalte  und  warme,  trockene  und  nasse
Umschläge.  Die  kalten,  wenn  sie  häufig  gewechselt  werden,  sind  wärmeentziehend,
  daher  auch  fieberwidrig  und,  wenn  sie  länger  liegen  blieben,
erregend  und  Blut  zuleitend.  Warme  Umschläge  dagegen  wirken  bernhigend,
lösend,  schmerzstillend  und  eignen  sich  bei  Schmerzen,  Krämpfen  und  Stockungen.
Trockene,  warme  Umschläge  werden  ausgeführt,  wo  man  keine  Wärme  entziehen,
keine  Abkühlung  eintreten  lassen  will,  sondern  nur  durch  höhere  Temperaturgrade
  einzuwirken  wünscht.  Letzteres  ist  bei  krampfartigen  Schmerzen  der
Fall.  Unter  „Umschlag“  versteht  man  die  Einhüllung  eines  Körperteiles,
im  Gegensatz  zum  „Aufschlag“.  Er  muß  fest  aufliegen  und  muß  nur  dann
eine  dichte  Bedeckung  haben,  wenn  er  erwärmen  soll.  Man  wähle  diese  aus
Flanell  oder  anderen  wolligen  Stoffen.  Undurchlässige  Zwischenlagen  von
Guttapercha  oder  Wachstuch  sind  nicht  zu  empfehlen,  weil  sie  die  Ausdünstung
hemmen,  welche  durch  den  Einfluß  der  feuchten  Wärme  sich  erhöht.  Niemals
liege  ein  Umschlag  aber  so  fest  an,  daß  er  drückt  oder  den  Blutlauf  hemmt.