Unfruchtbarkeit  —  Unglücksfälle.  825

Man  macht  Kopf-,  Hals-,  Arm-,  Brust-,  Leib=  und  Beinumschläge.  Weiche,
ausgewaschene  Baumwolltücher,  beliebig  breit  zusammengefaltet,  noch  besser
Streifen  aus  Rohseide  mit  breiterer,  wollener  Bedeckung  eignen  sich  gut  zu
diesem  Zweck.  Schmale  und  breitere  Tücher  sollten  in  keinem  Haushalte
fehlen.  Eine  besondere  Art  bilden  die  Breiumschläge,  welche  gleichmäßige
Temperatur  am  längsten  halten  und  daher  bei  Schwellungen  und  inneren
Eiterungen  mit  großem  Vorteil  gebraucht  werden.

Unfruchtbarkeit  (Sterilität).  Die  Ursachen  der  Unfruchtbarkeit  einer
Frau  sind  vielfache.  Die  angeborenen,  durch  Fehlen  oder  Mißbildung
wichtiger  innerer  Organe  entstanden,  sind  unheilbar;  die  anderen,  durch
Verlagerung  der  Gebärmutter,  chronische  Entzündungen,  Verengungen  usw.
hervorgerufen,  sind  in  allen  Fällen  heibar.  Mitunter  ist  auch  weder  ein
Bildungsfehler  noch  eine  Krankheit  an  den  weiblichen  Genitalien  nachzuweisen,
und  trotzdem  tritt  keine  Befruchtung  ein.  Es  muß  dann  irgendeine  Anomalie,
sei  es  in  der  Beschaffenheit  der  Eizellen  oder  der  Gebärmutterschleimhaut
oder  dem  Nervenleben  der  Frau,  vorliegen.  Nicht  ganz  so  selten  liegt  die
Ursache  der  Unfruchtbarkeit  auch  auf  seiten  des  Mannes,  der  infolge  von
früher  überstandenen  Entzündungen  an  den  Genitalien  oder  frühzeitig  eingetretener
  Impotenz  nicht  mehr  fähig  ist,  Nachkommen  zu  zeugen.  Keine  Frau,
deren  Ehe  mehrere  Jahre  lang  kinderlos  geblieben  ist,  sollte  zögern,  sich
untersuchen  zu  lassen,  damit  beizeiten  noch  etwas  gegen  die  Unfruchtbarkeit
getan  werden  kann.  Erweiterung  des  Mutterhalses,  mehrwöchige  Massage
der  Gebärmutter,  Ausheilung  vorhandener  Kartarrhe,  Verbesserungen  falscher
Lagen,  eine  allgemeine  Kräftigungskur  bei  vollständiger  ehelicher  Abstinenz
vermögen  in  vielen  Fällen  zum  ersehnten  Ziele  zu  führen.  Oft  aber  ist  auch
alles  vergeblich,  so  gesund  im  übrigen  die  betreffende  Frau  auch  erscheint.

Solche  Frauen  mögen  bedenken,  daß  es  recht  häufig  nicht  das  größte
Unglück  ist,  keine  eigenen  Kinder  zu  bekommen  und  die  eigenen  Fehler  und
kleinen  Vorzüge  nicht  weiter  zu  vererben;  sie  mögen  sich  darein  ergeben  und
ihre  vorhandenen  Kräfte  dazu  benützen,  verwaisten  Kindern,  die  elternlos  einem
oft  traurigen  Leben  entgegengehen,  ein  Elternhaus  zu  schaffen.  Ungeahntes
Glück  wird  dann  in  ihr  Haus  einziehen,  und  sie  können  die  Fülle  ihrer  Liebe
über  ein  armes  Wesen  ausgießen,  das  ohne  sie  vielleicht  elend  verkommen
wäre.  Wie  schön  ist  eine  solche  Aufgabe!

Unglücksfälle.  Durch  Verbrennen  mit  Feuer,  heißem  Wasser,
Säuren  oder  Laugen,  durch  Sturz  auf  harte  Flächen  oder  in  das  Wasser,
durch  Verletzungen  mit  scharfen  Gegenständen  werden  gefährliche  Lagen  geschaffen,
  die  rasche  Hilfe  fordern.  Man  lese  nach,  was  wir  über  „Erfrieren,
Ertrinken,  Verbrennen  und  Blutungen“  sagen.  Es  ist  unendlich  wohltätig,
  wenn  die  Frauen  in  solchen  traurigen  Fällen  etwas  Bescheid  wissen,  und
sofort  hilfreich  zuzugreifen  vermögen.  Unter  „Verbände,  Venenblutung,  Knochenbrüche“
  finden  sich  belehrende  Abbildungen,  die  man  sich  wohl  einprägen  muß.