Vegetarismus  —  Veitstanz.  829

viel  fester  als  andere  Fette,  daher  wohl  geeignet,  eine  die  Haut  schützende
Auflage  zu  bilden.  Es  verstopft  aber  auch  die  Hautporen,  so  daß  wir  Ole
oder  Creme  zuweilen  vorziehen  müssen.

Vegetarismus.  Das  Wort  kommt  von  „Vegetabilien“,  das  sind
Gewächse,  Pflanzenteile;  „vegetieren“  heißt  wachsen,  „ein  Pflanzenleben
führen“.  „Vegetarianer“  wurde  daher  zur  gebräuchlichen  Bezeichnung  für
diejenigen  Menschen,  welche  sich  nur  von  Pflanzenteilen  nähren.  Daß  eine
ausreichende  Ernährung  mit  solchen  möglich  ist,  was  starre  Vertreter  der
Eiweißtheorie  bestreiten,  beweisen  uns  nicht  nur  gewisse  südliche  Völkerschaften.
(Im  zweiten  Kapitel  des  I.  Teiles  über  „Ernährung“  findet  man  weitere
Erlänterungen  über  die  Pflanzenkost.)  Daß  in  kultivierten  Ländern  ganz
reine  Pflanzenkost  äußerst  selten  eingehalten  wird,  auch  wenn  man  Fleisch
vermeidet,  kommt  vom  Genuß  von  Eiern,  der  Milch  und  des  Käses,  deren
Eiweißreichtum  in  unserem  Buche  schon  hervorgehoben  wurde.  Da  viele
Gesundheitsstörungen  durch  zu  reichlichen  Eiweißgenuß  hervorgerufen  werden,
bildet  eine  Kur,  welche  hauptsächlich  in  strenger  Pflanzenkost  besteht  und  dem
Zustande  gut  angepaßt  ist,  ein  wirksames  Heilmittel.  —  Die  Pflanzensäuren,
Salze,  die  aromatischen  Stoffe,  der  Zucker,  der  hohe  Wassergehalt  vieler
Pflanzen  und  die  verschiedenen  Pflanzenfasern  wirken  auf  den  Organismus
sehr  günstig  ein.  Daher  hat  die  neue  physikalisch-diätetische  Heilweise  die
vegetarische  Ernährung  in  ihren  Kurplan  aufgenommen,  und  sie  gilt  bei
Fettsucht,  gewissen  Magen=  und  Darmleiden,  bei  Erkrankung  der
Körpersäfte,  bei  Eiterungen  usw.  als  unentbehrlich.

Außer  der  nützlichen  Seite  hat  der  Vegetarismus  aber  auch  noch  eine
ethische;  er  hat  die  Abscheu  vor  Tiermord,  vor  den  Schlachtgreueln  und  dem
Genuß  der  Tierleichen  geweckt  und  hat  in  Europa  nicht  wenige  Vertreter
dieser  Richtung.  Zweisellos  ist  ihm  vollständige  Berechtigung  zuzusprechen,
welche  nur  dort  zu  bestreiten  wäre,  wo  es  sich  infolge  mangelhaften  Pflanzenbaues
  um  schlechte  Ernährungsverhältnisse  handelt,  wo  also  der  Not  wegen
tierische  Nahrungsmittel  herangezogen  werden  müssen.  Wo  aber  eine  reiche
Pflanzenwelt  um  uns  grünt  und  blüht,  dort  braucht  man  nicht  Tiere  zu
mästen  und  zu  schlachten,  um  sich  die  nötige  Speise  zu  verschaffen.  Baumund
  Strauchfrüchte,  Körner,  Wurzeln,  Kräuter  usw.  geben  uns  ebenso  abwechslungsreiche
  wie  schmackhafte  Nahrung.

Veitstanz  (Chorea).  Diese  Krankheit  besteht  in  unwillkürlichen  Bewegungen
  ganzer  Muskelgruppen,  über  welche  der  Wille  seine  Herrschaft
verloren  hat.  Das  Gesicht  zuckt  beständig,  die  Mienen  verzerren  sich,  die
Glieder  können  nicht  ruhig  gehalten  werden,  und  eine  beabsichtigte  Bewegung
wird  oft  unmöglich,  weil  die  Muskeln  nicht  gehorchen.  Nervöse  Veranlagung,
ein  großer  Schreck,  auch  Gemütserschütterungen,  sowie  andere  Ursachen,
z.  B.  Schwangerschaft,  bringen  das  Leiden  zum  Ausbruch.

Beim  weiblichen  Geschlecht  tritt  es  häusiger  auf  als  beim  männlichen.