Verdauungsstörungen  —  Vergiftungen.  833

wir  eine  Zeichnung  des  Verdauungsschlauches,  die  den  Weg  der  aufgenommenen
Nahrung  am  besten  veranschaulicht  und  auch  das  Verhältnis  des  Darmes,
der  Niere  und  Blase,  im  Oberkörper  die  Mündung  der  Luftwege  in  den
Schlund  darstellt  (Fig.  461),  natürlich  nur  schematisch.

Verdauungslstörungen.  Sie  entstehen  am  meisten  durch  Magenüberladung,
  Darmüberfüllung,  Genuß  verdorbener  Speisen,  Mischung  unzugehöriger,
  z.  B.  Obst  und  Bier,  Süßigkeiten  und  saure  Salate,  überfette
Speisen  und  Bier,  durch  zu  reichlichen  Genuß  von  Flüssigkeiten  aller  Art,
durch  sitzende  Lebensweise  oder  zu  häufige  Bevorzugung  schwerverdaulicher
Nahrungsmittel,  wie  Schwarzbrot,  Hülsenfrüchte,  massige  Kuchen,  fette  Käse
und  anderes.  Leidet  jemand  auch  ohne  solche  Vergehen  an  Magenbeschwerden
oder  Darmstörungen,  dann  sind  Magen=  oder  Darmleiden  dahinter,  oder
Blutarmut  und  Nervenschwäche  verhindern  die  volle  Tätigkeit  der  Organe.
Man  stelle  also  die  Ursache  der  Verdauungsstörungen  fest  und  richte  darnach
die  Lebensweise  ein.

Verfolgungswahn.  (Man  lese  nach,  was  über  „Melancholie“  gesagt
ist.)  Der  Wahn,  feindlich  verfolgt  zu  werden,  oder  beständig  eine  drohende
Gefahr  abwehren  zu  müssen,  leitet  oft  schwere  Geisteskrankheiten  ein.  Schwaches
Nervensystem  und  schmerzliche  Erlebnisse  erzeugen  namentlich  bei  Frauen  düstere
Wahnvorstellungen  aller  Art,  gegen  welche  die  Umgebung  vergeblich  kämpft.
Dann  gibt  es  kein  besseres  Mittel  dagegen  als  eine  gutgeleitete  Kräftigungskur
  in  den  Bergen,  die  mit  Herausreißen  aus  den  gewohnten  Verhältnissen
verbunden  ist.  Doch  lasse  man  eine  solche  Kranke  niemals  allein  reisen.

Auch  recht  viel  drängende  Arbeit,  wie  z.  B.  die  unerwartete  Pflege
eines  schwer  erkrankten  Familiengliedes,  die  alle  Kräfte  erfordert,  wirkt
heilend,  indem  sie  die  schwermütige  Mutter  oder  Schwester  ganz  von  sich
abzieht.  Arbeit  für  andere  heilt  auch  deshalb,  weil  sie  beglückt.

Vergiftungen.  (Man  lese  nach,  was  über  „Gifte“  gesagt  ist.)  Vergiftungen
  kommen  am  häufigsten  durch  Verschlucken  der  Gifte  zustande,  dann,  wie
bei  Bienenstich,  Schlangen=  oder  Hundebiß  (Wutkrankheit),  durch  Verwundung
der  Haut,  endlich  noch  durch  Einatmen  giftiger  Gase.  Den  eingedrungenen  Giftstoff
  so  schnell  als  möglich  aus  dem  Körper  wieder  herauszubringen,  ist  unsere
Hauptaufgabe  bei  Vergiftungen.  Man  führe  also  im  ersten  Falle  so  schnell  als
möglich  Erbrechen  herbei  durch  Trinken  von  warmem  Wasser,  auch  mit  Ol  oder
mit  Seife  gemischt,  durch  Einführung  des  Fingers  in  den  Hals,  durch  Magenauspumpung
  (siehe  Fig.  417)  und  schließlich  durch  Einnehmen  von  Brechmitteln.
Zu  den  letzteren  gehören:  Brechwurzel,  Rizinusöl,  Brechweinstein,
schwefelsaures  Kupfer  (mit  Vorsicht  und  nur  unter  ärztlicher  Aufsicht!).
Muß  man  annehmen,  daß  das  Gift  zum  Teil  schon  verdaut  und  daher  in
den  Kreislauf  aufgenommen  ist,  dann  bleibt  nur  ein  rasch  wirkendes  Abführmittel
  übrig,  wie  Kneippsche  Pillen  oder  Karlsbader  Salz,  eine
Magenausspülung,  um  auch  den  letzten  Rest  aus  dem  Magensacke  zu

Die  Frau  als  Haonuäärztin.  5.:3