Vergiftungen.  837

Bei  Arsenikvergiftung,  die  sehr  heftige  Erscheinungen  macht  (rasch
verfallendes  Aussehen,  große  Leibschmerzen,  Durchfall,  ganz  kalte  Haut  bei
innerem  Hitzegefühl,  erschwertes  Atmen  usw.),  werden  vier  bis  sechs  Teelöffel
voll  Magnesia  in  ein  kleines  Wasserglas  empfohlen;  stärker  wirkt  als  Gegenmittel
  noch  Eisenoxydhydrat  aus  der  Apotheke.

Bei  Strychnin-,  Blausäure-(Zyankali-)  Vergiftung  ist  die  Magenspülung
  das  sicherste  Rettungsmittel.  (Siehe  Seite  734.)  Diese  zwei  Gifte
gehören  zu  den  gefährlichsten,  die  infolge  eintretender  Herz=  und  Atemlähmung
fast  immer  zum  Tode  führen.  Leider  ist  die  Einführung  eines  Schlauches  in
den  Magen  keine  so  einfache  Sache  und  kann  daher  bei  so  Schwerkranken
auch  von  einem  geübten  Arzte  oft  nur  mit  Mühe  ausgeführt  werden.  Dann
flöße  man  wenigstens  Brechmittel  ein,  um  eine  Ausleerung  des  Magens  zu
bewirken,  bis  der  Arzt  kommt.

Bei  Pilzvergiftungen  tritt  Erbrechen,  Durchfall,  Herzschwäche  und
Benommenheit  ein.  Man  lasse  Kochsalzwasser  reichlich  trinken  und  bemühe
sich  rastlos,  die  zunehmende  Benommenheit  zu  bekämpfen.  Dies  werden  sehr
kalte  kurze  übergießungen,  140  oder  16°  R.,  Klystiere  von  schwarzem  Kaffee
oder  Tee  bewirken.  Heiße  Bauchaufschläge  werden  nach  den  kalten  Anwendungen
  gleichfalls  wohltätig  wirken.  Das  Erbrochene  sollte  stets  untersucht
werden,  um  darnach  die  Art  des  Giftes  in  unklaren  Fällen  und  den  noch
vorhandenen  Mageninhalt  beurteilen  zu  können.  Nach  Geruch,  Farbe  und
Formen  läßt  sich  vieles  erkennen.

Den  Pilzvergistungen  kommt  an  Häufigkeit  die  Fleischvergiftung
gleich.  (Unter  „Wurstgift“  siehe  bei  Buchstabe  W.)  Die  Ausleerung  des
Magens  ist  auch  hier  die  erste  Aufgabe,  treten  aber  Bauchschmerzen  ein,
dann  ist  das  Gift  schon  in  den  Darm  eingetreten.  Aufgetriebener  Bauch,
Durchfall  zeigen  dies  ferner  noch  an.  Dann  ist  die  Lage  natürlich  ernster
und  man  muß  schleunigst  mit  heißen  Rumpfbädern,  heißer  Bauchflasche,  lauen
Klystieren  von  Kamillentee,  bei  sich  besserndem  Kräftezustand  mit  Schwitz-=packungen
  eingreifen.  Oft  bleibt  der  Darm  nach  solcher  Vergiftung  noch
lange  empfindlich,  und  man  darf  längere  Zeit  nur  Schleimsuppen,  Apfelmus
mit  Mondamingusatz,  einen  beruhigenden  Tee  reichen.

über  Insektenstiche  lese  man  unter  „B“  bei  Bienenstich  nach,  über
Wutgift  (Tollwut)  unter  Buchstabe  „W“.

Die  bekanntesten  Arznei-Vergiftungen  sind  nach  Anwendung  von
Brom,  Jod,  Quecksilber,  Lysol,  Morphium  usw.  beobachtet  worden.
(Man  lese  nach,  was  unter  „Arznei“  und  „Arzneisiechtum“  Buchstabe  „&amp;“  gesagt
  ist.)  Ausschläge,  nervöse  Störungen,  sahles  oder  verfallenes  Aussehen,
Speichelfluß  usw.  sind  die  Folgen  des  längeren  Genusses,  chronisches  Siechtum
oder  Tod,  geistige  Störungen  nach  Ouecksilber=  und  Morphium-Gebranch.
Die  erste  oft  günstige  Wirkung  rächt  sich  dreifach  durch  künstlich  erzeugte,