Verletzungen.  839

hungerte.  Ersterer  ist  meist  nicht  mehr  zu  retten,  letzterer  dagegen  kann  oft
durch  vorsichtige  Behandlung  dem  Leben  wiedergewonnen  werden.  Man  flößt
ihm  langsam  flüssige  Nahrung  ein,  löffelweise  verdünnte  Milch,  Apfelsaft,
in  Wasser  gequirltes  Eiweiß  usw.  und  steigt  bei  Zunahme  der  Kräfte  zu
Schleimsuppen,  unverdünnter  Milch,  Zwieback,  Apfelmus  und  ähnlichem  auf.
Durch  Einpackung  in  wollene  Tücher,  Anlegen  von  Wärmeflaschen,  nachdem  man
vorher  trocken  oder  naß,  je  nach  dem  Kräftezustand,  frottiert  hat,  vermehrt
man  die  Wärme  des  Geschwächten,  die  meist  äußerst  vermindert  ist.  Wenn
frische  Lust  nicht  fehlt,  so  erreicht  man  oft  schon  in  einem  Tage  eine  wunder—
bare  Besserung  des  trostlosen  Zustandes.

Verletzungen,  kleine.  Unter  „Wundbehandlung“  ist  gesagt,  wie
Verletzungen  der  Haut  behandelt  werden  müssen.  In  diesem  Abschnitt
wollen  wir  noch  besprechen,  welche  Gegenmaßregeln  kleine  Verletzungen,
die  im  Haushalt  und  besonders  bei  Kindern  so  häufig  vorkommen,  er—
fordern.  Wie  oft  schneiden  sich  Frauen  und  Mädchen  so  tüchtig  in  die  Hand,
daß  die  Blutung  gar  nicht  stehen  will.  Was  soll  sofort  nach  solchem  Unfall
getan  werden?

Da  das  Messer,  welches  die  Wunde  beibrachte,  in  den  meisten  Fällen
verunreinigt  ist,  so  wird  unsere  erste  Tat  die  sein,  die  verletzte  Stelle  unter
einen  kräftigen  Wasserstrahl  zu  halten.  Der  Druck  des  Wassers  reißt
zurückgebliebene  Teilchen  von  Fremdkörpern  (Nahrungsmittel,  Wollfäden,
Staub  usw.)  aus  der  Wunde  herans  und  beugt  daher  einer  Entzündung  vor;
dann  aber  preßt  man  die  Wunde  fest  zusammen  und  ummickelt  sie  stramm
mit  einem  Streifen  alten  Leinenzeugs,  das  jede  Hausfrau  vorrätig  hat,
und  paßt  die  Breite  des  Streifens  der  Wunde  an.  In  kurzer  Zeit  wird
man  bemerlen,  daß  durch  den  einwirkenden  Druck  die  Blutung  steht  und  auch
der  Schmerz  verschwindet.

Man  läßt  diesen  ersten  Verband,  der  trocken  aufgelegt  wurde,  mindestens
24  Stunden  unverändert  liegen.  Am  nächsten  Tage  wird  er  vorsichtig
erneuert,  ohne  die  Wunde  zu  baden.  Dann  wird  man  die  Freude  haben,  sie
in  den  meisten  Fällen  tadellos  heilen  zu  sehen.

Ganz  ähnlich  verhält  es  sich  mit  Stichwunden  von  Nadeln,  Scheren,
Nägeln  und  andern.  Das  erste  bleibe  immer  auch  in  solchen  Fällen,  anhaftende
Wollfäden  oder  Schmutz  zu  entfernen.  Stichwunden  schmerzen  gewöhnlich  mehr,
weil  sie  tiefer  gehen,  aber  bluten  weniger;  wir  werden  daher  mehr  auf  Schmerzstillung
  bedacht  sein  müssen.  Wir  erreichen  dies,  indem  wir  kalte  feuchte
Bauschen  aufbinden  und  diese  in  den  ersten  Stunden  öfter  wechseln,  bei
stärkerer  Blutung  aber  auch  Druckwirkung  anwenden.

Sehr  schmerzhaft  können  ferner  eingedrungene  Fremdkörper  werden,
die  gewöhnlich  auch  Schmutzstoffe  mit  sich  führen.  Werden  sie  nicht  ehestens
entfernt,  also  vorsichtig  herausgezogen,  so  treten  sehr  rasch  Entzündungen  ein,
die  in  Eiterung  übergehen  und  dann  je  nach  dem  Sitz  des  Fremdkörpers