840  Verrenkungen  —  Verstauchung.

heftige  Schmerzen  verursachen.  Am  häufigsten  sind  bei  arbeitenden  Frauen
und  spielenden  Kindern  die  Splitter,  die  sich  von  altem  Holze  leicht  ablösen
  und  in  die  Haut  der  Hände  oder  Füße  eindringen.  Da  sie  meist  morsch
sind,  brechen  sie  bei  ungeschickten  Versuchen,  sie  herauszuziehen,  sehr  leicht  ab
und  sind  dann,  z.  B.  unter  dem  Nagel,  kaum  mehr  zu  fassen.  Wir  verweisen
daher  auf  die  spitzige  Pinzette,  die  jede  Hausfrau  in  ihrer  „Hausapotheke“
haben  sollte  (Fig.  296),  welche  sofort  in  Anwendung  kommen  muß.  Scharf
und  fest  fasse  man  mit  ruhiger  Hand  das  vorstehende  Ende  des  Sprlitters
an  und  ziehe  nicht  wackelnd,  sondern  mit  raschem  kurzem  Zug.  Dann  ist
zur  Beruhigung  des  Schmerzes  ein  laues  Bad  von  zehn  Minuten  und
etwa  24°%  R.  angezeigt  und  darauffolgend  ein  feuchter  Wickel  mit  warmer
Verpackung.

Sitzt  der  Splitter  aber  so  tief  unter  dem  Nagel,  daß  er  nicht  mehr
gefaßt  werden  kann,  dann  muß  dieser  erst  geschickt  beschnitten  werden.  Leichtere
Fälle  kann  jede  Frau  selbst  in  Ordnung  bringen;  schwerere,  durch  Lage  des
Splitters,  zu  dicke  Oberhant,  Beschaffenheit  des  Splitters  hervorgebracht,
bedürfen  der  Hilfe  des  Arztes.

Bekanntlich  können  auch  Glas,  Kohlen  usw.  eindringen.  Gefährlich  sind
Verletzungen  dieser  Art  im  Auge.

Sticht  es  im  Ange  unaufhörlich  und  sieht  man  ein  Fleckchen  auf  der
Bindehaut,  dann  zögere  man  nicht,  sogleich  zum  Augenarzt  zu  gehen,  der
allein  die  nötige  Gewandtheit  und  alle  Instrumente  hat,  um  rasch  die  Störung
zu  beseitigen.  Dann  mache  man  kalte  Aufschläge.

Verrenkungen.  Wenn  jemand  durch  Fall  oder  Druck  heftigen
Schmerz  in  einem  Gelenk  empfindet  und  es  plötzlich  nicht  mehr  bewegen
kann,  dann  handelt  es  sich  stets  um  ein  Herausspringen  des  Gelenkkopfes
oder  der  Gelenkrolle  aus  der  Gelenkpfanne,  eine  sogenannte  Verrenkung.
Dabei  können  Gelenkbänder  nicht  nur  gedehnt,  sondern  auch  gerissen  werden,
innere  Blutungen  eintreten,  Druck  auf  Nervenäste  usw.  Vollständige  Ruhe
des  schmerzhaften  Gliedes  und  kalte  Aufschläge  sind  das  einzige,  was  die
Umgebung  bis  zur  Ankunft  des  Arztes  tun  kann.  Vor  Einrichtungsversuchen
  sei  hiermit  ernstlich  gewarnt;  denn  mitunter  handelt  es  sich
auch  um  einen  Bruch,  den  der  Laie  nicht  immer  von  einer  Verrenkung
unterscheiden  kann,  und  stets  verlangt  die  Einrichtung  eine  geübte  ärztliche
  Hand.  Man  würde  also  nur  zu  leicht  neues  Unheil  anrichten  und
den  Verletzten  durch  vermehrte  Schmerzen  quälen,  wenn  man  ungeschickte
Versuche  macht.

Verstauchung.  Wie  die  Verrenkung,  kommt  auch  die  Verstauchung
zustande:  durch  von  außen  wirkende,  starke  mechanische  Einflüsse,  Fall,  Stoß
usw.,  welche  eine  Zerrung,  Dehnung  von  Muskelu  und  Sehnen  mit  Einreißung
  von  Gefäßen  bewirken.  Infolge  des  letzteren  Umstandes  entsteht
eine  Geschwulst,  welche  bald  in  allen  Farben  spielt  und  erst  nach  Wochen