818  Weitsichtigkeit  —  Wirbelkörper-Erkrankungen.

Bedeutende  Abgänge  vor  und  nach  der  Periode  oder  nach  jeder  körper—
lichen  Anstrengung,  oder  nach  jeder  Gemütserregung  bedeuten  einen  Schwäche—
zustand,  der  nicht  ganz  leicht  genommen  werden  darf.  Vor  allem  bedarf  er
der  Allgemeinbehandlung,  örtlicher  nur  dann,  wenn  die  Abgänge  immer
wieder  kommen.  Eine  sechswöchige  innere  Massage  nach  Thure-Brandt  wird
bald  Kräftigung  bringen.

Cleitsichtigkeit.  Sie  kann  durch  fehlerhaften  Bau  des  Auges
entstehen  —  zu  kurze  Augenachse  —,  ebenso  wie  durch  abnehmende  Anpassungsfähigkeit
  der  Linse,  wie  dies  meist  vom  45.  Lebensjahre  an  beobachtet
wird.  Man  sieht  dann  in  die  Nähe  nicht  mehr  scharf,  sondern  nur  in
die  Ferne  und  muß  diesen  Umstand  durch  Brillengläser  korrigieren,  welche
die  einfallenden  Strahlen  stärker  brechen.  Alte  Leute  müssen  daher  Konvexgläser
  tragen.  Wer  also  immer  gute  Augen  gehabt  hat,  ängstige  sich  nicht,
wenn  nach  dem  45.  Jahr  die  Sehschärfe  für  die  Nähe  langsam  abnimmt.
(Siehe  Angenschwäche.)  Tritt  diese  Abnahme  jedoch  zu  heftig  ein,  dann
könnte  sie  auch  ein  Signal  für  Verminderung  der  Nervenkraft  oder  eines
beginnenden  inneren  Leidens  sein  und  muß  untersucht  werden.

Mlillenskraft.  Ein  erhebendes  Wort!  Es  zeigt  uns  an,  daß  wir
etwas  vermögen,  wenn  wir  wollen,  daß  eine  Kraft  in  uns  wohnt,  über  die
wir  nach  Belieben  verfügen.  Die  Erziehung  kann  die  Willenskraft  mächtig
entwickeln;  sie  kann  sie  aber  auch  jämmerlich  unterdrücken;  Krankheit  des
Körpers  und  der  Seele  kann  sie  lähmen,  Gesundheit  und  übung  sie  prächtig
entfalten.  Diese  Erkenntnis  gibt  uns  wertvolle  Fingerzeige,  die  zuerst  jeder
an  sich  selbst,  dann  zunächst  aber  an  seinen  Kindern  verwerten  soll.  Durch
die  Kraft  unseres  Willens  überwinden  wir  nicht  nur  uns  selbst,  sondern  auch
Schwierigkeiten  und  Hindernisse  außerhalb  uns,  welchen  wir  zu  oft  nur  allzu
leicht  unterliegen.  Sei  es  ein  körperlicher  Schmerz,  Zorn,  Rührung,  Trauer  —
die  Willenskraft  stehe  über  allen  Regungen;  sie  reguliere  und  dosiere  und
gestatte  kein  Überwuchern,  kein  übertreiben.  Erziehung  in  diesem  Sinne
fehlt  dem  weiblichen  Geschlechte  noch;  es  wird  darum  das  empfindsame,  das
leidenschaftliche,  das  maßlose  genannt.  Seine  Willenskraft,  welche  die  Selbstbeherrschung
  zeitigt,  ist  zu  wenig  geübt,  zu  wenig  entwickelt.  Das  soll  besser
werden!  Es  wäre  auch  weniger  das  „Leidende“,  wenn  es  schon  gelernt  hätte,
sein  körperliches  Leben  mehr  der  Willenskraft  unterzuordnen.

„Der  WMille  ist's,  der  feste  Wille,
Der  vorwärts  strebt,  der  Edles  schaffft,

Der  Gutes  wirkt  in  reicher  Fülle,
Der  Wille  ist's,  und  Gott  gibt  Kraft.“

Mirbelkörper-Srkrankungen.  Entzündungen  und  Eiterungen
sind  bei  jugendlichen  Personen,  die  zu  Tuberkulose  neigen,  oder  nach  Verletzungen
  nicht  so  selten.  Wer  in  der  Wirbelsäule  beständig  Schmerz  empfindet,
in  der  Bewegung  gehemmtt  ist,  vielleicht  mit  einem  Beine  öfter  einknickt,  oder