Wohnung  —  Wundwerden.  819

gar  schon  erhöhte  empfindliche  Stellen  an  der  Wirbelsäule  hat,  der  suche
schleunigst  ärztliche  Hilfe  auf.  Laue  Kompressen  auf  die  schmerzenden  Stellen
werden  zunächst  Linderung  bringen;  im  übrigen  muß  aber  je  nach  dem
Allgemeinbefinden  eine  umfassende  Behandlung  eintreten,  die  der  Laie  sich
selbst  nicht  verordnen  kann.

Mobung.  Siehe  viertes  Kapitel  im  I.  Teil.

Müählhuber.  Pfarrer  Kueipp  hat  einen  abführenden  Tee  aus
kräftigen  Kräutern  zusammengestellt,  der  seiner  starken  Wirkung  wegen  bei
den  bayerischen  Bauern  den  Namen  „Wühlhuber"“  erhielt.  Man  hüte  sich,  ihn
gewohnheitsmäßig  zu  gebrauchen;  er  paßt  auch  nicht  für  schwächliche  Menschen.

-#lundbebandlung.  Eine  Verletzung  der  schützenden  Hautdecke,
wodurch  tieferliegende  Gewebe  bloßgelegt,  Gefäße,  Nerven,  Sehnen  getrennt
werden,  nennt  man  eine  Wunde.  Ihre  Behandlung  wird  darin  bestehen,
ihre  Heilung,  beziehungsweise  Verklebung,  sowie  den  Wiederersatz  zerstörter
Gewebsteile  zu  ermöglichen,  ihr  eine  künstliche  Schutzdecke  zu  schaffen,  ferner
für  Wärme  und  Ruhe  zu  sorgen.  Kleine  reingehaltene  Wunden  heilen  ohne
Entzündungserscheinungen  sehr  rasch,  wenn  man  ihre  Ränder  durch  Heftpflasterstreifen
  oder  festen  Verband  vereinigt  und  für  gute  Bedeckung  sorgt
(Gazestreifen,  Watte);  größere  müssen  des  sich  bildenden  Eiters  wegen  ausgespritzt
  und  bei  schmerzender  Entzündung  auch  zuweilen  mit  kühlen  Aufschägen
  behandelt  werden.  Bei  starken  Absonderungen  muß  der  unmittelbare
Verband  mehrmals  täglich  erneuert  werden  und  stets  aus  aufsangenden
Stoffen  bestehen.  Man  sei  auf  größte  Reinlichkeit  bedacht.

Alte,  weiche  Leinenstücke  oder  Wundgaze,  die  vor  der  Benützung  ausgekocht
  werden,  um  ganz  keimfrei  und  rein  zu  sein,  eignen  sich  am  besten  zur
unmittelbaren  Bedeckung  von  Wunden.  Das  Wasser  zum  Reinigen  der  Wunde
sei  stets  abgekocht,  die  Berührung  der  Wunde  mit  den  Fingern  vermeide  man.
Starke  Blutungen  frischer  Wunden  stille  man  durch  heiße  Tampons  oder
durch  Druckverband  (siehe  Fig.  311).  Klaffende  Rißwunden  müssen  genäht
werden,  und  dazu  rufe  man  den  Arzt.  Verunreinigte  Wunden  (durch  Straßenstaub,
  Kleiderfetzen  usw.)  müssen  zuerst  sorgfältig  gereinigt  werden,  wozu  sich
weibliche  Hände  vorzüglich  eignen.  Man  unterscheidet  Schnitt-,  Stich-,
Schuß=  und  Quetschwunden,  welche  alle  besondere  Merkmale  haben.

Cundwercken  („Wolf“.)  Dicke  Frauen,  die  leicht  schwitzen  oder
an  scharfen  Absonderungen  leiden,  bekommen  im  Sommer  oft  wunde  Stellen
zwischen  den  Schenkeln,  in  der  Aftergegend  und  an  den  Schamteilen.  Laue
Waschungen,  Einfetten  mit  Mandelöl,  Anwendung  nasser  Wattebauschen
nachts,  reizlose  Diät  führen  bald  zur  Bessèrung.  Eine  große  Wohltat  aber
beim  Gehen  gewähren  die  Schutzsattel  („Wolfsbinde“)  mit  Einlagen  (von
Frau  Therese  Prößl  in  Deggendorf,  Niederbayern),  welche  auch  bei
Hämorrhoidalleiden  sehr  brauchbar  sind.

Tie  Frau  als  Hausärziin.  54