Wurzelsuppe  —  Wurkrankheit.  851

in  welchen  sich  am  häufigsten  Fäulnisstoffe  entwickeln.  Findet  die  Aufnahme
des  Giftes  in  den  Säftestrom  sehr  rasch  statt,  dann  kann  Lebensgefahr  eintreten.
  Daher  suche  man  bei  den  ersten  Anzeichen  ärztliche  Hilfe  auf.
Murzelsuppe.  (Man  lese  nach,  was  über  „Suppen“  Seite  104
gesagt  ist.)  Lauch,  Petersilie,  Möhren,  Sellerie,  auch  ein  Krautblatt,  etwas
Zwiebel,  Kartoffel  und  Kohlrabi  werden  grob  geschnitten  und  langsam
gekocht.  Man  erhält  dann  eine  branne,  aromatische  Brühe,  der  man  beliebige
  Zusätze  beifügen  kann,  wie  Butter,  Eier,  mehlige  Bestandteile.  Das
ausgelangte  Wurzel-  und  Blätterwerk  verfüttert  man  an  Tiere  oder  gibt  die
gehaltvolleren  Wurzeln  fein  zerhackt  anderen  Gerichten  als  Zugabe.

MUutkrankbeit.  Wutkranke  Hunde  können  durch  ihren  Biß  ihre
Krankheit  auch  auf  Menschen  übertragen,  alle  sind  aber  nicht  dafür  empfänglich.
  Die  Zeichen  der  Krankheit  treten  erst  nach  Wochen  und  Monaten
auf  und  äußern  sich  in  verstörtem  Wesen,  Appetitlosigkeit,  Schlundkrämpfen,
Angst  und  Wutanfällen,  heftigem  Durst  und  dennoch  Widerwillen  vor  allen
Getränken,  weil  die  Angst  vor  den  Schlundschmerzen  zu  groß  ist,  endlich  in
Lähmung  und  Tod.

Behandlung.  Kann  man  den  Eintritt  des  Giftes  ins  Blut  verhindern,
so  ist  man  gerettet,  meist  fehlt  es  aber  an  Geistesgegenwart  und  bestimmten
Kenntnissen  in  solchen  Fällen.  Nehmen  wir  an:  ein  Kind  wird  auf  der
Straße  von  einem  wutkranken  Hund  in  den  Arm  gebissen;  was  wird  das  erste
sein,  was  die  begleitende  Mutter  tut?  Sie  reißt  dem  Kinde  die  Kleidchen
herunter  und  saugt  die  Wunde  kräftig  aus,  dabei  häufig  ausspeiend,  damit
ja  nichts  auf  sie  übergeht.  Unterlassen  muß  sie  das  Aussaugen  nur,  wenn
sie  eine  Wunde  an  der  Lippe,  Zunge  oder  dem  Gaumen  hat.

Dann  vermeide  sie  zu  schlucken  und  trachte  so  schnell  als  möglich  in
einem  Laden  oder  im  nächsten  Hause  ihren  Mund  mit  verdünntem  Spiritus
zu  spülen,  damit  sich  an  den  Zähnen  nichts  anzusetzen  vermag.  Die  Wunde
des  Kindes  aber  lasse  man  tüchtig  bluten,  streiche  den  Arm  von  oben  nach
unten  zur  Wunde  hin,  damit  der  hervorquellende  Blutstrom  eingedrungene
Giftmengen  fortzuspülen  vermag.  Im  Hause  dampfe  sie  die  Wunde  eine
halbe  Stunde  lang  und  gebe  darnach  einen  kalten  Armguß.  Später  müssen
Mutter  und  Kind  noch  Schwitzpackungen  machen.

Tritt  Behandlung  erst  viel  später  ein,  dann  ist  das  sicherste  Mittel
eine  Trockenkur.  Leider  ist  diese  noch  wenigen  Arzten  bekannt,  obwohl
sie  eine  der  wirksamsten  ist.  Die  Ergebnisse  der  Impfungen  gegen  Wutkrankheit
  sind  viel  zu  unklare  und  ungenügende,  um  sie  empfehlen  zu  können,
sicher  sind  aber  gefährliche  Nebenwirkungen  dabei  und  Verlust  der  Zeit  für
bessere  Kuren.  .

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