Erste  Hilfe  bei  Unglücksfällen.  859

beobachtet,  ob  er  gleichmäßig  oder  aussetzend  ist;  man  sucht  den  Puls
an  der  Daumenseite  des  Vorderarmes,  und  wenn  dieser  nicht  mehr  fühlbar
ist,  den  Herzschlag  unterhalb  der  linken  Brustwarze.  Durch  Auflegen  des
Ohres  auf  die  nackte  Brust  hört  man  auch  noch  eine  schwache  Herztätigkeit.
  Ist  dies  alles  vergeblich,  dann  öffne  man  die  Augeulider  und
beobachte  die  Pupille,  ob  sie  sich  bei  plötzlich  einfallendem  Licht  zusammen—
zieht  oder  nicht,  oder  ob  ein  leises  Zucken  der  Augenlider  bei  leichter
Berührung  des  Augenapfels  eintritt.  Sind  diese  Bemühungen  erfolglos,
dann  handelt  es  sich  in  den  meisten  Fällen  um  Tod.  Die  nach  einigen
Stunden  eintretende  Leichenstarre  ist  ein  weiterer  Beweis,  stellenweise  Verfärbungen
  der  Haut  des  Verunglückten  gleichfalls.  Sind  jedoch  noch  Lebenszeichen
  vorhanden,  dann  taste  man  den  Kopf  ab,  um  etwaige  Wunden  zu
konstatieren,  erhebe  und  beuge  langsam  beide  Arme,  um  Verrenkungen  oder
Brüche  derselben  festzustellen.  Ebenso  verfahre  man  mit  den  Beinen.
Dringt  irgendwo  Blut  vor,  dann  löse  man  vorsichtig  die  Kleider  und  suche
sich  über  die  Stelle  der  Verwundung  klar  zu  werden.  Bei  starken  Blutungen
ist  ein  Druckverband  (Fig.  311)  dringend  notwendig,  um  den  Blutverlust
bis  zur  Ankunft  des  Arztes  zu  vermindern.  Kalte  Umschläge  befestige  man
auf  schmerzhafte  Wunden,  die  hemmenden  Kleider  löse  man  in  der  Naht,
wenn  sie  sich  nicht  abziehen  lassen  oder  zerschneide  sie,  wenn  Eile  nötig  ist
oder  sie  wertlos  sind.

Die  Erstickung.  Durch  Nase  oder  Mund  geht  die  Lust  in  den  Kehlkopf,
  dann  in  die  Bronchien  und  endlich  in  die  Lungen.  (Siehe  „Atmung“
im  I.  Kapitel  der  Hausärztin.)  Diese  Wege  missen  frei  bleiben,  ebenso
muß  der  Brustkorb  vor  starkem  Druck  bewahrt  bleiben,  damit  dem  Organismus
  neuer  Sauerstoff  zugeführt,  die  angesammelte  Kohlensäure  aber  ausgeschieden
  werden  kann.  Die  gewaltsame  Unterbrechung  der  Atmung  durch
dußeren  Druck  oder  innere  Verstopfung  führt  zum  Tode  durch  Erstickung.
Auch  das  Einatmen  giftiger  Gase  führt  zur  Erstickung.  Blauroter  Kopf,
erweiterte  Pupillen,  abnehmender  Puls,  auch  Erstickungskrämpfe  sind  die
Merkmale.  Luftzufuhr,  Eutkleidung  des  Oberkörpers,  wenn  noch  Aussicht
auf  Rettung  vorhanden  ist,  Abklopfung  des  ganzen  Körpers,  besonders  der
Herzgegend,  kalte  Rückengüsse  regen  oft  die  Atmung  noch  an.  Bei  Eindringen
  von  Fremdkörpern  in  den  Schlund  und  in  den  Kehlkopf  ist  Entfernung
  dieser  natürlich  die  erste  Aufgabe,  ebenso  natürlich  Reinigung  von
Mund  und  Nase,  wenn  sie  von  Erde  oder  Schmutz  verunreinigt  sind.  Bei
lockersitzenden  Fremdkörpern  genügt  eine  Lagerung  mit  herabhängendem
Oberkörper  und  hängendem  Kopfe,  wobei  man  kurze,  kräftige  Stöße  ins
Genick  und  den  Rücken  versetzt.  Darnach  springt  der  Fremdlörper  oft  heraus.
Bei  festsitzenden  muß  der  Arzt  mit  Spiegel,  Pinzette,  ja  selbst  mittelst
Operation  von  außen  eingreifen.  Kleine  Kinder  saßt  man  an  den  Füßen
und  wendet  sie  rasch  mit  dem  Kopf  nach  unten.