862  Erste  Hilfe  bei  Unglücksfällen.

von  Nebenräumen  aus  Licht  herleiten.  Das  Zuhalten  der  Gasröhren  mit
dicken  Tüchern  wird  immer  die  wirksamste  erste  Hilfe  sein,  die  jeder  ausführen
  kann.

Handelt  es  sich  um  Personen,  die  in  einem  Schacht  oder  einer  Grube,
in  welcher  sich  Gase  befinden,  ohnmächtig  geworden  sind,  so  ist  die  Herbeischaffung
  von  Holz=  oder  Strickleitern  und  kräftigen  Seilen  das  erste,  was
getan  werden  muß.  Dann  sucht  man  Bewegung  in  die  eingeschlossenen  Luftschichten
  zu  bringen,  indem  man  größere  Mengen  von  Kalkwasser  jäh  hinunterschüttet,

  oder  ein

*  breites  Brett,  an  eine
1  B  Leine  gebunden,  nie-«
  “*  +  derläßt  und  rasch  wieder

  aufwärts  zieht.
Durch  Wiederholung
dieses  Verfahrens  verdünnt
  man  die  unteren
Luftschichten.  Dann
steigt  der  Retter,  dem
ein  Seil  um  Brust
und  Schultern  gebunden
  wird,  mit
einem  Essigtuch  vor
dem  Munde  versehen,
in  den  Schacht  oder
die  Grube  und  bemüht
1  »  »-sich-somschalsmisg-Fig.
  479.  Sylvestersche  Atemübung  bei  Ertrunkenen,  lich  ein  Seil  um
Erstickten  und  Erhängten.  Brust  und  Schultern
des  Ohnmächtigen  zu
knüpfen  und  das  Zeichen  zum  Aufziehen  zu  geben.  An  eine  Hand  des  Retters  wird
eine  Signalleine  gebunden,  welche  seine  Tätigkeit  anzeigt  und  welche  erschlafft,
wenn  er  selbst  ohnmächtig  geworden  ist.  Die  Anbringung  von  Atmungsschläuchen
  ist  natürlich  für  die  Retter  das  sicherste  Mittel,  um  ungehindert
Hilfe  bringen  zu  können.  Leider  sind  sie  aber  nicht  immer  zur  Hand.

Auch  die  Erhängten  erleiden  den  Erstickungstod,  daher  ist  Wiederherstellung
  der  Atmung,  Luftzufuhr  auch  hier  die  erste  Aufgabe  der  Retter.
Man  schneidet  den  Strick,  der  den  Hals  umschnürt,  zuerst  vorsichtig  durch,
hält  dabei  aber  den  Körper  des  Unglücklichen,  damit  er  nicht  jäh  herunterstürzt,
und  macht  darauf  die  üblichen  Wiederbelebungsversuche.  Sie  bestehen  in  der
künsilichen  Atmung,  in  kalten  Begießungen,  welchen  man  kräftiges  Frottieren
mit  wolligen  Tüchern,  Herzmassage  in  hartnäckigen  Fällen  (siehe  Fig.  275),
kräftige  Riechstoffe  und  anderes  folgen  läßt.  Die  Ausdehnbarkeit  der  Luft-