Erste  Hilfe  bei  Unglücksfällen.  863

wege  ist  zur  Erhaltung  des  Atmungsvorganges  unerläßlich.  Beim  Erdrosseln
wird  der  Kehlkopf  und  die  Luftröhre  mit  Gewalt  so  zusammengepreßt,  daß
die  Luft  nicht  mehr  durchstreichen  kann;  beim  Verschütten,  wenn  schwere
Lasten  sich  auf  den  Brustkorb  legen  (Steine,  Balken,  Erde)  ist  die  Lunge  in
ihrer  Ausdehnung  so  sehr  gehemmt,  daß  die  Atmung  (Aufnahme  des  Sauerstoffes)
  sofort  aufhört.  Demnach  gehört  die  Befreiung  der  Atmungsorgane
in  solchen  Fällen  zu  der  ersten  Aufgabe.

Die  Sylvestersche  Atmung  und  die  Herzmassage  sind  Seite  472  besprochen.
  Wir  geben  hier  in  Fig.  479  nochmals  eine  Abbildung  ersterer.
Daß  diese  anstrengenden  UÜbungen  ruhig  und  taktmäßig  ausgeführt  werden
müssen,  ist  selbstverständlich.

Ist  es  gelungen,  Atembewegungen  zu  erzielen,  dann  muß  man  die
Herztätigkeit  zu  heben  suchen  und  auf  Besserung  des  Blutkreislaufes  einwirken,
der  oft  bedenklich  gestockt  war.  Die  Glieder  sind  kalt  geworden,  die  Entblößung
  des  Körpers  hat  außerdem  einen  bedentenden  Wärmeverlust  zur
Folge  gehabt.  Man  hüllt  den  Vernnglückten  deshalb  in  wollene  Decken,
legt  ihm  Wärmflaschen  an,  steckt  die  Beine  in  heißes  Wasser  und  gibt  ihm
warmen,  schwarzen  Kaffee  löffelweise  zu  trinken,  wenn  er  wieder  zu  schlucken
imstande  ist.

Nicht  selten  kommt  auch  noch  eine  andere  Form  der  Erstickung  vor.
Die  Gefährdung  der  Atmung  durch  das  Steckenbleiben  großer  Bissen  im
Halse  (wie  Klöße,  Kartoffel,  Fleisch,  aber  auch  von  Kuochenstücken).  Nervöse
oder  unbeholfene  Erwachsene  oder  Kinder  erleben  dergleichen.  Es  tritt  dabei
ein  hochgradiger  Angstzustand  ein,  wobei  sich  eine  blaurote  Verfärbung  einstellt.
Esmarch  empfiehlt  das  Zuhalten  der  Nase  mit  der  linken  Hand,  um  die
Offnung  des  Mundes  zu  erzwingen,  und  das  entschiedene  und  rasche  Einführen
  des  rechten  Zeigefingers  samt  Daumens  in  den  Rachen,  um  den
drückenden  Fremdkörper  zu  fassen  und  heraus  zu  befördern.  Gelingt  dieses
Verfahren  nicht,  dann  drückt  man  die  Vorderseite  des  Erstickenden  mit
vorgeneigtem  Kopse  an  einen  harten  größeren  Gegenstand  und  versetzt  ihm,
wie  schon  gesagt,  auf  den  Rücken  zwischen  die  Schulterblätter  mit  der  festgeschlossenen
  Faust  kräftige  kurze  Stöße.  Durch  diese  werden  ost  gut  zusammenhängende
  Stücke  herausgeschleudert.  Bei  verschluckten  weichen  Massen,
die  sich  nicht  fassen  lassen,  muß  man  von  außen  versuchen,  durch  Kneten
und  Streichen  des  Halses,  die  Speiseröhre  zu  entleeren.  Im  schlimmsten
Falle,  wenn  alles  versagt,  muß  ein  Chirurg  verständigt  und  operativ  eingegriffen
  werden  (Luftröhrenschnitt).

Das  Ertrinken.  Der  Tod  durch  Ertrinken  ist  auch  eine  Art  Erstickung,
  indem  der  Lufteintritt  in  die  Lungen  durch  das  eintretende  Wasser
verhindert  wird.  Findet  aber  durch  Sturz  oder  infolge  des  Temperatureinflusses
  ein  Bersten  der  Blutgefäße  im  Gehirn  statt,  dann  tritt  der  Tod
noch  schneller  ein.  Die  Haut  der  Ertrunlenen  ist  blaß  und  lühl;  sie  sind