864  Erste  Hilfe  bei  Unglücksfällen.

oft  noch  wiederzubeleben,  wenn  keine  Blutergüsse  in  die  Schädelhöhle  stattgefunden
  haben.  Zur  Wiederbelebung  reinigt  man  zuerst  Nase  und  Mund
und  überzeugt  sich,  ob  der  Schlund  frei  ist;  dann  läßt  man  den  Oberkörper
tiefer  liegen,  damit  etwa  angesammelte  Wassermassen  abfließen  können.
Darauf  leite  man  die  künstliche  Atmung  ein  und  erwärme  gleichzeitig  den
Verunglückten  mittelst  Wärmflaschen  und  Frottieren.  Bürsten  der  Fußsohlen,
warme  Klistiere,  Herzmassage,  warmes  Vollbad  führen  dann  oft  zum  Ziele,
aber  man  muß  mit  den  Bemühungen  stundenlang  aushalten.

Fällt  man  irgendwo  in  ein  tiefes  Wasser,  so  halte  man  den  Atem  an
und  trachte  die  Stellung  eines  Schwimmenden  einzunehmen;  oft  treibt  das
Wasser  den  Körper  in  die  Höhe,  und  hat  man  sich  durch  Schreck  nicht
lähmen  lassen,  so  kommt  man  rasch  in  die  Lage  eines  Schwimmenden

N—N*  und  kann  sich  selbst  retten.  Wer
—  ·  aber  nicht  schwimmen  kann,  ist
stets  übel  daran!  Darum  lasse
man  die  Jugend  sich  beizeiten
mit  dem  nassen  Element  vertraut
machen,  lasse  sie  schwimmen  und
rudern  lernen,  auch  das  Springen
ins  Wasser  und  das  Unter—
tauchen  sollte  methodisch  von
Knaben  und  Mädchen  unter  Lei—
tung  eines  tüchtigen  Schwimmmeisters
  geübt  werden.  Fig.  480  zeigt  uns  eine  Schwimmerin  mit  einer
Korktafel  auf  dem  Rücken,  die  mit  ausgebreiteten  Gliedern  in  die
Höhe  treibt.

Fig.  481  zeigt  uns,  wie  man  die  verschluckten  Wassermassen  bei  einem
Ertrunkenen  am  besten  herausbefördert:  Bauchlage,  Druck  auf  die  Magengegend,
  stoßweise  Erschütterungen  des  Rückens,  herabhängender  Kopf.  Zu
diesen  Anwendungen  reicht  auch  eine  einzelne  Person  aus,  wenn  sie  weiß,
was  sie  zu  tun  hat.  Doch  darf  die  hier  vorgeführte  Stellung  nicht  lange
eingenommen  werden.  Wenige  Augenblicke  genügen,  um  in  solcher  Lage
und  bei  so  starkem  Druck  auf  den  Magen  etwa  vorhandenes  Wasser  stoßweise
  herauszubefördern.  Bei  rotem  Gesicht  muß  sofort  wieder  Rückenlage
mit  erhöhtem  Kopfe  eingerichtet  werden,  wobei  man  die  Füße  in  heißes
Wasser  steckt,  um  den  Blutandrang  nach  dem  Kopfe  zu  vermindern.  Im
übrigen  werden  Wiederbelebungsversuche  gemacht,  wie  bei  Besinnungslosen
im  allgemeinen  und  wie  wir  Seite  472  besprochen  haben.  Ist  der  Ertrunkene
  blaß  und  verfallen  und  nur  kurze  Zeit  im  Wasser  gewesen
(“  bis  Stunde),  dann  hat  ihn  entweder  eine  Ohnmacht  vor  dem
Wasserschlucken  bewahrt  oder  er  hat  durch  eine  Herzlähmung  infolge  des
Schreckens  und  der  plötzlichen  Kälteeinwirkung  sein  Leben  bereits  verloren.

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Fig.  480.  Schwimmbrett  aus  Kork.