866  Erste  Hilfe  bei  Unglücksfällen.

schlagenden  darf  man  höchstens  die  linke  Hand  reichen  unter  der  Ermahnung,
mit  den  Beinen  abstoßende  Bewegungen  zu  machen,  nicht  aber  lasse  man  sich
umfassen,  weil  dadurch  der  Retter  selbst  in  Gefahr  kommt,  und  die  oft  schwere
Last  des  ungeschickten  Verunglückten  nicht  mehr  von  der  Stelle  zu  bringen
imstande  ist.  Leichter  ist  die  Rettung  von  einem  Kahne  aus,  besonders  wenn
man  ein  Ruder  zum  Halt  hinreichen  kann.  Kein  Kind  sollte  in  die  Höhe
wachsen,  ohne  Schwimmunterricht  zu  erhalten,  und  in  jeder  Schwimmschule
sollten  wöchentlich  Rettungsübungen  ausgeführt  werden,  an  welchen  Männer
und  Frauen  jeden  Alters  sich  beteiligen,  dabei  die  Rolle  des  Retters  und  des
Verunglückten  abwechselnd  ausführend.  Das  gibt  Sicherheit  und  Tüchtigkeit!
Eltern  und  Lehrer
  laßt  es  euch
gesagt  sein!
Das  Erfrieren.
  Zu
wenig  Wärme
übt  ebenso  zerstörende
  Wirkung
  aus  wie  zu
viel.  In  großer
Kälte  ziehen  sich
die  Blutgefäße
der  Haut  anfangs
  zusammen,
  und  diese
—7  wird  blaß;  dann
Fig.  182.  Rettung  eines  Ertrinkenden.  aber  folgt  die
Erweiterung
der  Gefäße  und  die  Haut  wird  blaurot;  bei  höheren  Kältegraden  bilden  sich  trübe
Blasen,  und  schließlich  gefriert  das  Blut  zu  Eis;  die  Glieder  werden  hart  und
brüchig.  Einen  Erfrorenen  bringt  man  nicht  in  die  warme  Stube,  sondern
in  eine  ungeheizte,  um  zu  große  Temperaturgegensätze  zu  verhüten,  und  reibt  ihn
mit  nassen  Tüchern,  um  Wärme  in  der  Haut  zu  erzeugen.  Ein  kühles  Klistier  ist  sehr
wohltätig  und,  wenn  Leben  wiederkehrt,  das  Einträufeln  warmer  Getränke.  Durch
künstliches  Atmen  stellt  man  die  Lungentätigkeit  wieder  her;  Essigwaschungen
wirken  sehr  belebend,  nach  Wiederkehr  des  Bewußtseins  auch  ein  warmes  Vollbad.
Ganz  erfrorene  Glieder  sterben  ab,  werden  abgestoßen  oder  müssen
amputiert  werden.  Durch  stundenlanges  Frottieren,  verbunden  mit  verschiedenen
  Wasseranwendungen,  hat  man  aber  schon  manchen  Erfrorenen
ins  Leben  zurückgerufen  und  manches  scheinbar  verlorene  Glied  erhalten.  Bei
steifen  Gliedern  sei  man  mit  dem  Abziehen  der  Kleider  vorsichtig,  besser  ist  es,
man  schneidet  sie  auf.  Scharfe  Riechmittel  leiten  die  Atmung  oft  ein.