Erste  Hilfe  bei  Unglücksfällen.  867

Das  Einbrechen  im  Eise.  Auch  bei  wenig  tiefem  Wasser  kann
die  Hilfeleistung  eine  recht  schwierige  sein  und  muß  eiligst  ausgeführt  werden,
weil  die  intensive  Kältewirkung  des  Wassers  oft  in  Minnten  schon  so  lähmend
wirkt,  daß  der  Eingebrochene  nicht  mehr  imstande  ist,  sich  an  gereichten
Stangen,  Leitern,  Rettungsbällen,  Stricken,  Brettern  festzuhalten.  Für  ihn
sowohl  wie  für  den  Retter  gilt  es  in  erster  Linie  zu  beachten,  daß  man  die
Unterstützungsfläche,  die  den  Körper  tragen  soll,  möglichst  vergrößert;  man
legt  sich  daher  breit  auf  den  Bauch  und  schiebt  sich  vorwärts,  dabei  über

Fig.  483.  Rettungsversuch  bei  in  Eis  Eingebrochenen.

krachende  Stellen  schnell  hinweggleitend.  Hat  man  außerdem  nicht  zu  schwere
Leitern  zur  Verfügung,  die  man  mit  den  Armen  abwechselnd  vorwärts
schiebt,  so  kommt  man  auch  über  dünne  Eisstellen  gut  hinweg.  Fig.  483
stellt  uns  das  Gesagte  dar.  Stehende  Gewässer  (Teiche,  Seen),  die  von
bewohnten  Häusern  weit  abliegen,  benütze  man  nie  zum  Schlittschuhlaufen
oder  Betreten,  wenn  nicht  hohe  Kältegrade  längere  Zeit  eingewirkt  haben,
denn  wo  sollte  man  Stangen  oder  Leitern  herkriegen,  wenn  weit  und  breit
keine  Menschen  zu  sehen  sind  und  das  Eis  einbricht?  Dann  ist  man
rettungslos  verloren.  Für  fließende  Gewässer  ist  selbstredend  die  Gefahr
noch  größer,  weil  Eingebrochene  durch  den  Strom  unter  der  Eisdecke  fortgerissen
  werden.  Man  wage  sich  also  erst  dann  auf  den  zugefrorenen  Fluß,
wenn  etwa  6  bis  8  Tage  lang  10  bis  15  Grad  unter  Null  angehalten
haben  —  dann  erst  ist  die  Eisdecke  dick  und  widerstandsfähig  geung.

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