Grubennnfälle  bei  Bergleuten.  869

eigentlich  handelt:  Kohlensäure  ist  schwer  und  sammelt  sich,  wie  schon
gesagt,  daher  an  den  tiefsten  Stellen  an,  wir  müssen  dann  aufrecht  bleiben,
ja  uns  sogar  verlängern,  um  mit.  dem  Kopfe  oberhalb  der  Gasschichte  zu
bleiben;  Leuchtgas  und  Kohlenoryd  dagegen  sind  leicht  und  steigen  zur
Decke,  und  wir  müssen  uns  infolgedessen  verkürzen  und  am  Boden  kriechen,
um  der  Gasschicht  auszuweichen.  In  jedem  Falle  ist  natürlich  die  Herbeiführung
  eines  kräftigen  Luftzuges  das
radikalste  Hilfemittel.

Auch  wenn  die  Rettung  der  durch
Gase  Vergifteten  vollständig  gelungen
ist,  so  bleiben  dennoch  wochenlang
andauernde  Folgeerscheinungen  zurück,
welche  sich  in  Kopfschmerz,  mehr  oder
minder  heftig,  Brechreiz  und  großer
Niedergeschlagenheit  des  ganzen  Körpers
  äußern.  Liegen  im  Freien,  Tag
und  Nacht  in  frischer  Luft,  Teil=  oder
Ganzpackungen,  Güsse  verschiedener
Art,  vorwiegende  Fruchtnahrung  usw.
werden  jedoch  die  Nachkrankheiten
bedeutend  abkürzen.  Es  ist  jedoch
begreiflich,  daß  schwächliche  Menschen,
und  besonders  solche  mit  wenig  widerstandsfähigen
  Atmungsorganen,  den
Nachkrankheiten,  die  solche  Vergiftungen
nach  sich  ziehen,  schließlich  erliegen.

Wie  muß  die  Rettungsmannschaft
  beschaffen  sein?  Nir-  «
gends  ist  die  Rettung  Verunglückter  Fig.  151.
schwieriger  als  in  Bergwerken  mit  servost  Zunerstofappart  lür  tettung.
verschütteten  Schachten,  überschwemmten  nannscha  —  §
Strecken,  nur  langsamem  Eindringen
der  frischen  Außenluft  usw.  Es  dürfen  daher  nur  gesunde,  intelligente  und
gewandte  Männer  zur  Rettungsarbeit  zugelassen  werden,  die  weder  lungennoch
  herzkrank  sind,  scharfe  Augen,  feines  Gehör  und  Muskelkraft  haben.
Daher  sind  fette,  kurzatmige,  schwachsichtige,  aber  auch  ängstliche  und  ungeschickte
  Menschen  zur  Rettungsarbeit  nicht  tauglich,  weil  rasch,  umsichtig  und
sicher  gearbeitet  werden  muß.  Frauen  sind  bei  der  Mithilfe  durchaus  nicht
auszuschließen.  Sie  dürfen  aber  nicht  die  gewöhnlichen  Fehler  ihres  Geschlechtes
besitzen,  sondern  müssen  Mut  und  Dressur  haben,  natürlich  auch  körperliche
  Kräfte.  Zu  solcher  natürlichen  Ausrüstung  lommt  dann  die  Vertrantheit
mit  den  Rettungsapparaten,  die  durch  regelmäßige  Ubungen  erlangt  wird.