Grubenunfälle  bei  Vergleuten.  871

Sind  Betäubte  aus  der  Grube  glücklich  herausgeschafft,  dann  müssen
Tote,  Verwundete  und  Ohnmächtige  von  einander  gesondert  werden,  so  gut
es  in  der  Eile  vor  Eintreffen  der  Arzte  geschehen  kann.  Die  Leichen  zeigen
oft  schwere  Brandwunden,  ohne  daß  der  Tod  ein  schwerer  gewesen  sein  muß.
Der  plötzlich  eingetretene  Sauerstoffmangel  nach  starken  Explosionen  führte
zu  einem  sehr  raschen  Tod,  daß  giftige  Gase  gar  nicht  Zeit  hatten,  durch
Atmung  in  die  Lungen  einzutreten.  Die  verkohlten  und  blasigen  Stellen
bei  solchen  Leichen  sind  dann  meistens  erst  nach  erfolgtem  Ableben  entstanden.
Sofort  beginne  man  zu  emntkleiden  und  künstliche  Atemübungen,  wie  schon
mehrfach  angegeben,  auszuführen,  ferner  Notverbände  auf  blutende  Wunden
anzulegen.  Man  sorge  für  ein  schützendes  Dach  vor  Witterungseinflüssen,
aber  für  unnnterbrochenen  Zutritt  der  frischen  Luft,  dann  beschaffe  man
frisches  Trinkwasser,  schwarzen  Kaffee,  chinesischen  Tee,  Fleischbrühe,  um
Ausgehungerte  und  Geschwächte  zu  stärken,  trage  auch  warme  Decken  herbei,
um  frostige  Menschen  zu  erwärmen.  Kräftige  Riechstoffe,  wie  Essig,  Kölnisches
  Wasser,  tragen  ferner  zur  schnelleren  Belebung  Benommener  bei.

Zusammenlegbare  Tragbahren  hat  Neupert's  Nachfolger,  Wien,
konstruiert,  die  der  Retter  sich  auf  den  Rücken  binden  kann.  Bei  momentaner
Ermangelung  solcher  kann  rasch  eine  Tragbahre  vermittelst  eines  Stuhles
und  zweier  Stangen  oder  Latten,  wie  uns  Fig.  485  zeigt,  hergestellt  werden.
Den  Verunglückten  selbst  befestigt  man  mit  einem  Gurt  oder  Tuch,  wie  aus
unserer  Abbildung  ersichtlich,  um  den  Leib  an  die  Stuhllehne.  Dadurch  wird
ein  Absturz  während  des  Transports  vermieden.  Dann  gibt  es  auch
Grubenrettungswagen,  welche  auf  den  überall  vorhandenen  Geleisen
in  den  Gruben  den  Transport  Verunglückter  sehr  erleichtern.  Immer  aber
bleibt  als  erste  Hilfe,  welche  ohne  Zeitverlust  geleistet  werden  kann,  das
Tragen  der  Verunglückten  durch  gesunde  Personen.  Um  dieses  sicher  und
möglichst  schmerzlos  ausführen  zu  können,  bedarf  man  einiger  Übung  und
Studien.  Man  betrachte  unsere  Abbildungen  über  den  Transport  Verunglückter
  und  schaffe  sich  die  Büchlein  von  Esmarch  und  Jieinsky  an.
Viel  unnötiger  Müheaufwand  einerseits  und  Leiden  anderseits  kann  durch
ihr  Studium  verhütet  werden.  Was  wir  hier  bringen,  können  nur  kurze
Anleitungen  und  Hinweise  sein.

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