872  Heilkräuter.

Unsere  heilkrãuter.

Aus  dem  J.  Teile  unseres  Buches  wissen  unsere  Leserinnen  bereits,  daß
wir  vier  Ausscheidungsorgane  haben,  deren  ungestörte  Tätigkeit  zur  Erhaltung
unserer  Gesundheit  unentbehrlich  ist;  es  sind  die  Lungen,  die  Haut,  der
Darm  und  die  Nieren.  Wir  wollen  daher  die  bekanntesten  Heilkräuter
nach  ihrer  Wirkung  auf  diese  Organe  einteilen,  obwohl  uns  dazu  vorwiegend
nur  überlieferte  Erfahrungen,  nicht  durchweg  zuverlässige  chemische  Untersuchungen
  oder  physiologische  Versuche  berechtigen.  Wir  benützen  dabei
sowohl  Dr.  Paczkowskis  Biüchlein,  als  auch  den  Fünfstückschen
Atlas,  sowie  Dr.  Müllers  Kräuterbuch,  und  beginnen  mit  der  Besprechung
  einiger  Darmkräuter,  welchen  wir  die  Nierenkränter,
dann  die  Haut=  und  Lungenkräuter  folgen  lassen  (siehe  Tafelu  31,
32,  33  und  34).

Die  Darmkräuter.  Sie  haben  in  jeder  Hinsicht  die  größte  Berechtigung;
  denn  die  Erkrankungen,  die  aus  dem  Darme  stammen  und  auf  übermäßige
  Ernährung,  falsche  Zusammensetzung  der  Nahrung  oder  mangelhafte
Verdauungssäfte  zurückzuführen  sind,  müssen  als  die  häufigsten  bezeichnet
werden.  Demgemäß  kommen  wir  auch  oft  in  die  Lage,  durch  einen  treibenden
Tee  leicht  abführend  und  damit  überraschend  bessernd  und  „heilend“  einwirken
zu  können,  sind  doch  Gase,  Säuren  und  giftige  Stoffwechselprodukte,  die  sich
im  Darm  so  häufig  bei  schlechter  Verdauung  entwickeln  und  anhäufen,  die
Ursache  der  mannigfachsten  Erkrankungen  und  können  weder  durch  Wasserbehandlung,
  noch  weniger  durch  die  meist  geschwächte  Selbsttätigkeit  des
Organismus  ebenso  rasch  wie  durch  Abführmittel  herausbefördert  werden.
Die  Anwendung  derselben  ist  daher  uralt  und  ihre  Wirkung,  wenn  es
hauptsächlich  auf  vorübergehenden  raschen  Erfolg  ankommt,  was  wir  besonders
  betonen  wollen,  auch  unschädlich.  Anders  dagegen  verhält  es
sich  mit  häufigem  oder  gar  gewohnheitsmäßigem  Genuß  der  Heilkräuter;
sie  wirken  dann  krankmachend,  weil  übermäßig  reizend.  Schwächezustände
oder  vermehrte  Trägheit  innerer  Organe  sind  eine  weitere  Folge  ihres
Mißbrauchs.

Um  ja  nicht  mißverstanden  zu  werden,  betonen  wir  auch  hier  nochmals,
daß  Stuhlverstopfung  durch  abführende  Kräuter  nicht  geheilt  wird,  sondern
daß  sie  sich  bei  zu  häufigem  Genuß  der  letzteren  nur  vermehrt.  (Siehe
„Stuhlverstopfung  oder  Hartleibigkeit“.)  Dagegen  können  sie  uns  gelegentlich
bei  Kotstauungen,  Gasanhäufungen,  Gärungen  im  Darm  uff.,  wie  schon
gesagt,  sehr  gute  Dienste  leisten.  Man  unterscheidet  schwachwirkende  und
starkwirkende  Darmkräuter.  Zu  ersteren  gehören:  Wegerich,  Schaf-