Heilkräuter.  873

garbe,  Löwenzahn,  Holunder,  Tausendgüldenkraut,  Enzian,  Schleh—
dorn,  Süßholz  und  andere  mehr;  zu  den  letzteren:  Rhabarber,  Faul—
baumrinde,  Sennesblätter,  Rizinus,  Aloe,  Wurmfarn  und  noch
viele  andere.  Darunter  sind  Wegerich  und  Süßholz  ebensowohl  „Lungenkräuter“
  wie  Darmkräuter,  da  sie  auf  die  Schleimhäute  im  allgemeinen
wirken  und  mehrere  andere  sind  nicht  unbeträchtlich  nieren  reizend.  Bei  den
oben  angeführten  Zuständen  würden  wir  daher  abwechselnd  die  stärkeren  oder
schwächeren  Pflanzen  wählen.

Wir  besprechen  im  nachfolgenden  nur  einige  sehr  bekannte  und  wirksame
Heilkräuter,  die  auch  in  unserem  Buche  schon  Erwähnung  fanden.

Tausendgüldenkraut  (Erythraea  Centaurium).  Diese  Pflanze
wächst  auf  Wiesen  und  in  Wäldern  und  hat  blaßrote  Blüten.  Stengel
und  Blätter  enthalten  einen  bitteren  Extraktivstoff  und  einen  eigentümlichen
kristallinischen  Stoff  (Zentaurin).  Man  preßt  den  Saft  der  Pflanze  aus,
verwendet  ihn  zu  Kuren  aller  Art  und  macht  auch  bitteren  Magenwein
davon.  Bei  Magenverstimmungen,  Leberleiden,  Darmver-=stopfungen
  hat  sich  das  Kraut  in  kleinen  Mengen  und  als  kräftig  gekochter
Tee  bewährt.

Faulbaumrinde  (Corter  frangulae).  Der  Faulbaum  wächst  baumartig
  in  Wäldern  und  Gebüschen,  blüht  weiß  und  hat  rote  Steinfrüchte.
Seine  innere  Rinde  wird  als  Waschmittel  gegen  Krätze,  auch  gegen  Kopf--grind,
  ferner  als  mildes  Abführmittel  verwendet.  Über  seine  chemisch
wirksamen  Bestandteile  verlantet  aber  nicht  viel.  Er  macht  keine  Leibschmerzen
(wie  Sennesblätter)  und  läßt  keine  Reizzustände  zurück  (wie  Aloe).

Rhabarber  (Rheum).  Stammt  eigentlich  aus  China,  wo  die  Pflanze
sehr  geschätzt  wird.  Die  Wurzeln  bilden  ihren  wichtigsten  Teil;  die  enropäischen
  Arten  sind  aber  schwächer  als  die  chinesischen.  Sie  genießt  hohes
Ansehen  als  Heilpflanze,  und  man  hielt  sie  genauerer  Untersuchung  wert.
Diese  ergab  einen  stark  treibenden  harzigen  Stoff,  Gerbsäure,  Gummi,
ein  flüchtiges  Ol,  apfelsauren  Kalk  und  gleichgültige  Bestandteile.  Man
gebraucht  Rhabarber-Auszüge  als  Tinkturen,  Pillen,  Pulver,  Aufgüsse  und
rühmt  ihre  Wirkung  als  Magenmittel,  gegen  Verstopsung  und  Würmer.
Rhabarber  vermehrt  die  Absonderungen  des  Verdamunssschlauches,  macht

in  größeren  Gaben  starkes  Purgieren,  worauf  —  so  heißt  es  in  einem
Kräuterbuche  —  „wegen  der  stärkenden  (2)  Eigenschaften  oft  Verstopfung

  folgt“.  (Darum  Vorsicht  im  Gebrauche!)

Rizinusöl  (Oleum  Ricini),  auch  Kastoröl  genannt.  Es  ist  in  Ostindien
einheimisch  und  bei  uns  eine  dekorative  Blattpflanze.  Aus  dem  Samen  der  Pflanze
wird  das  Ol  gewonnen,  das  durch  Ranzigwerden  einen  scharfen  Bestandteil  erhält,
der  auf  die  Darmschleimhaut  treibend  wirkt.  Man  wendet  es  in  allen  Fällen
an,  in  welchen  die  ölige  Beschaffenheit  des  Abführmittels  wegen  vorhandener
Reizzustände  erwünscht  erscheint.  Es  kommt  deshalb  im  Kindbettsieber,  bei