874  Heilkräuter.

entzündlichen  Hämorrhoiden,  bei  Bandwurm,  bei  Leberbeschwerden  usw.  zur
Anwendung.“  Da  es  aber  seines  unangenehmen  Geschmacks  wegen  viele
Personen  auch  zum  Erbrechen  reizt,  so  reihen  wir  es  mit  gleichem  Recht
den  Brechmitteln  ein.  Es  ist  richtig,  daß  es  auch  von  empfindlichen  Personen
besser  als  andere  Abführmittel  vertragen  wird  und  daß  es  zu  ausgiebigen
Ausleerungen  führt.

Wurmfarn  (Aspedium).  Der  Wurzelstock  ist  als  Rbizoma  Filicis
offizinell  und  wird  gegen  Wurmkrankheiten  gebraucht.  Der  Wurmfarn  wächst
in  schattigen  Wäldern  und  ist  sehr  verbreitet.  Das  Farnkraut  besitzt  die
Eigenschaft,  pflanzliche  wie  tierische  Stoffe  längere  Zeit  frisch  zu  erhalten  und
vor  Verderben  zu  schützen.  Man  gebraucht  die  Blätter  daher  mit  Vorteil
zum  Verpacken.  Den  meisten  Insekten  ist  es  zuwider,  vielleicht  auch  der
Ansiedlung  von  Schmarotzerpflanzen  nicht  günstig.  Es  soll  viel  alkalische  Bestandteile
  enthalten.  Der  spezifisch  wurmtreibende  Stoff  wird  in  verschiedenen
Formen  verabreicht,  läßt  aber  bei  den  meisten  Personen  schon  nach  dem  Genuß
von  einigen  Gramm  einen  heftigen  Reizzustand  im  Darme  zurück.  Geschwächte
sind  deshalb  davor  entschieden  zu  warnen  und  Bandwurmkuren  mittelst  Farnkraut
  (siehe  Seite  497)  sollten  nie  ohne  ärztliche  Aufsicht  ausgeführt  werden.

ierenkräuter.  Nierenstörungen  sind  viel  schwerer  zu  behandeln  als
Darmstörungen,  weil  die  Nieren  viel  feinere  und  empfindlichere  Organe  sind,
als  der  Darm  es  ist;  wir  werden  daher  nur  bei  ganz  bestimmten  Nierenerkrankungen
  Nierenkräuter  anwenden  dürfen,  wenn  wir  Schädigung  vermeiden
wollen.  Am  geeignetsten  dazu  ist  die  Nierenschwäche  und  -Trägheit;  aber  auch
bei  übermäßiger  Flüssigkeitsansammlung  im  Körper  kann  durch  Anuregung  der
Niere  eine  stärkere  Tätigkeit  derselben  und  infolgedessen  reichlichere  Abgabe
von  Wasser  erzielt  werden;  vorübergehend  auch  bei  Hautkrankheiten,
bei  Wassersucht  und  bei  Gicht  und  Skrofulose  kann  dies  Verfahren
zur  Anwendung  kommen.  Handelt  es  sich  um  vermehrte  Zerfallsprodukte
(Harnsäure),  sei  es  durch  zu  reichliche  Nahrung  oder  durch  ungenügende
Drüsentätigkeit  entstanden,  so  kann  die  künstlich  vermehrte  Nierentätigkeit  in
solchem  Falle  rettend  werden.  Ganz  verkehrt  und  gefährlich  ist  es  aber,  bei
akuten  Nierenerkrankungen  oder  entzündlichen  Reizzuständen  diese  durch  Aufnahme
  der  Bestandteile  eines  treibenden  Krautes  noch  zu  vermehren.  Um
auch  hier  das  Richtige  zu  treffen,  ist  es  nötig,  einen  Arzt  heranzuziehen  und
den  Krankheitsfall  genan  zu  untersuchen.

Zu  den  leicht  anregenden  Nierenkräutern  gehören:  Haufsamen,
Hagebutten,  Hirtentäschelkraut,  Bohnenhülsen  und  andere;  zu  den  stärker
treibenden  gehören:  Zinnkraut,  Petersilie,  Wacholderbeeren,  Rosmarin  und
andere.  Wir  besprechen  das  von  Pfarrer  Kneipp  so  sehr  geschätzte  Zinnkraut
  und  die  altberühmten  Wacholderbeeren.

Zinnkraut  (Schachtelhalm,  Equisetum).  Wächst  als  Unkraut  auf  Wiese
und  Ackern,  erzeugt  bei  Rindvieh  und  Schafen  Durchfälle.  In  Süddentsch-