890  Schlüsselblume  —  Süßholz.

hartnäckige  Ausflüsse,  daher  bei  Gebärmutterkatarrh,  Ohrenfluß  usw.  als
Ausspülung  gut  zu  gebrauchen.
Schlüsselblume  wird  gegen  Rheumatismus  und  Gicht  angewendet.

Schöllkraut  (Chelidonium),  siehe  Tafel  35,  ist  eine  übelriechende
Pflanze,  die  starkwirkende  Säfte  abgibt  und  mit  Vorsicht  anzuwenden  ist.
Krebs  und  Aussatz  sollen  damit  geheilt  worden  sein,  Warzen  und  Hühneraugen
  vertreibt  es,  auch  für  verschiedene  Augenkrankheiten  soll  es  wirksam  sein.

Schwarzkorn  (Mutterkorn,  Secale  cornutum,  Ergotin)  ist  ein
Auswuchs  des  Kornes  und  besitzt  giftige  Eigenschaften,  die  zur  Kriebelkrankheit
und  zu  Lähmungen  führen.  Die  Schulmedizin  verordnet  es  viel  bei  Gebärmutterblutungen,
  zur  Vermehrung  der  Geburtswehen  und  zur  Ausstoßung
abgestorbener  Früchte.  Es  ist  jedoch  nur  unter  ärztlicher  Aufsicht  in  Ausnahmefällen
  anzuwenden.

Schwarzwurzel  (Scorzonera).  Sie  wirkt  rührend,  einhüllend,  ist
als  Gemüse  beliebt  und  wird  Lungensüchtigen  gerne  gegeben,  auch  bei  Durchfällen
  und  Darmgeschwüren.  Man  sollte  sie  viel  mehr  anbauen.

Sellerie  (Apium)  enthält  Zucker,  Stärkemehl,  flüchtige  Ole,  Nährsalze,
und  wirkt  auf  die  Harnorgane  und  die  Darmtätigkeit.  Bei  Durchfällen  ist
sie  zu  vermeiden,  dagegen  bei  Stuhlverstopfung  und  geringer  Harnabsonderung
oft  zu  geben.

Senf  (Sinapis),  siehe  Tafel  34,  reizt  die  Magennerven  und  ist  daher
hin  und  wieder  in  kleinen  Mengen  als  die  Verdauung  anregendes  Mittel  schon
zulässig.  Bei  rheumatischen  Leiden  wird  er  zu  Umschlägen,  „Senfteig“,  seit
altersher  angewendet.  Er  reizt  die  Haut  und  hat  daher  eine  ableitende
Wirkung.  Bei  zurückgehender  Milch  zieht  Senfteig,  auf  die  Brüste  gelegt,
die  Milch  wieder  herbei,  ebenso  kann  man  bei  nach  innen  gehenden  Ausschlagskrankheiten
  diese  wieder  an  die  Haut  ziehen  (Masern,  Scharlach).  Senfmehl
aus  dem  Samen  und  Senföl  ist  in  den  Apotheken  käuflich.  Einreibungen
mit  letzterem  bringen  neues  Leben  in  gelähmte  Glieder.  Senffußbäder  sind
gegen  Magenkrampf,  Menstruationsstockungen  zu  empfehlen.  Bei  Hypochondrie,
Appetitlosigkeit,  Gicht,  Wurmkrankheiten  und  träger  Verdauung  soll  weißer  Senf
vorzüglich  wirken.  Man  nimmt  den  Samen  mit  kleinem  Löffel  vor  den  Mahlzeiten,
  und  hat  davon  auch  bei  Flechten  und  Gelbsucht  gute  Wirkung  gesehen.

Sennesblätter  (Folia  Sennae),  siehe  Tafel  34,  schmecken  scharf
und  geben  ein  starkes  Abführmittel,  das  meist  Leibschmerzen  verursacht.  Für
alte  Leute,  die  an  trägem  Stoffwechsel  leiden,  wird  es  besonders  empfohlen.

Stiefmütterchen  (Wiola  tricolor).  Der  aus  Blättern  und  Blüten
bereitete  Tee  wirkt  abführend,  Umschläge  auf  chronische  Ausschläge  sollen  oft
gute  Wirkung  haben.  Der  Tee  wird  auch  gegen  Epilepsie  gegeben.

Sühbolz  (Glycyorrbiza)  ist  offizinell,  kommt  als  „Lakritzensaft“,  „Bärenzucker“
  zum  Gebrauch,  und  wird  gegen  Heiserkeit,  Husten  usw.  gegeben.  Man