ITiunn  und  Weib

Segenüberstellung  des  männlichen  und  weiblichen  Körpers
in  anafomisch  zerlegboren  Hlodellen.

Erläuterungen.

In  vielen  populären  Werken  findet  man  jetzt  zerlegbare  Modelle,  welche  die
Aufgabe  haben,  den  nicht  anatomisch  gebildeten  Leser  in  die  Verhältnisse  des  menschlichen
Körpers  einzuführen.  Sie  zeigen  uns  das  Uebereinander  und  Nebeneinander  der  inneren
Organe  und  geben  gute  Anleitung  zum  Studium  des  menschlichen  Körpers,  wenn  es  in
richtiger  Weise  vorgenommen  wird.  Da  dies  sicher  nicht  immer  der  Fall  ist,  wollen  wir
hier  eine  kleine  Anleitung  dazu  geben.  Es  ist  dem  Verlage  gelungen,  einen  künstlerisch
gebildeten  Zeichner  zu  gewinnen,  der  im  Anschluß  an  ein  anatomisches  Institut  die
vollen  Mittel  besaß,  für  unsere  „Hausärztin“  ein  vollkommenes  Werk  zu  schaffen.  Man
betrachte  die  zwei  Gestalten  der  ersten  Tafel:  Mann  und  Weib,  in  der  Blüte  ihrer  Jahre,
schön  und  kraftvoll.  Das  sind  zwei  ebenbürtige  Menschen!  Die  Glieder  der  Frau  sind  üppig,
ihre  Haltung  ist  anmutig.  Dem  Manne  traut  man  schöne  Muskelleistungen  und  Selbstbewußtsein
  zu.  Sie  stellen  uns  zwei  gesunde  und  schöne  Menschen  dar,  von  welchen  wir  nur  sagen
können:  Möchten  doch  alle  Lebenden  ihnen  gleichkommen!  Aber  wem  begegnen  wir  unter  den
heutigen  Menschen!  Wie  selten  sind  die  Paare  wirklich  harmonisch,  an  Größe,  an  Kraft,  an
Schönheit  einander  wirklich  ebenbürtig.  Einem  langen,  schmalen  Manne  neben  einer  winzigen
kleinen  Frau,  —  einem  kleinen,  zurückgebliebenen  Manne  neben  einer  grobknochigen,  robusten
Fran,  zwei  fetten  Menschen,  welche  wandelnden  Tonnen  ähnlicher  sehen  als  unseren  Mustergestalten,
  und  Aehnlichem  mehr  begegnen  wir.  Man  glaube  nicht,  daß  solche  Mißverhältnisse
  notwendig  sind.  Da  der  Geist  auch  auf  den  Körper  seine  Rückwirkungen  hat,  so  ist  es
begreiflich,  daß  die  Bekämpfung  jeder  Mißgestalt  durch  Ernährung,  Gymnastik  und  geistige
Erziehung  solche  Mißverhältnisse,  wie  die  angeführten,  verhüten  und  mildern  kann  und
daß  sie  nur  dort  überhaupt  möglich  sind,  wo  es  an  Erkenntnis  und  zielbewußtem  Streben
fehlt.  Möchte  unser  Musterpaar  recht  vielen  Lesern  die  Anregung  geben,  sich  ihren  Gestalten
  nachzubilden.  Die  Anleitung  dazu  finden  sie  in  jedem  Kapitel  der  „Hausärztin“.

Gehen  wir  nun  auf  die  Einzelheiten  der  äußeren  Verschiedenheiten  näher  ein.
Wie  erklärt  sich  die  Rundung  und  Fülle  der  weiblichen  Gestalt?  Haben  Mann  und  Weib
nicht  dieselben  Muskelgruppen,  nicht  dieselben  Glieder?:  Ja,  das  haben  sie!  Aber  die
Größenverhältnisse  sind  verschieden,  und  das  Fettpolster,  welches  die  Rundung  verleiht,
ist  bei  der  Frau  bedeutend  stärker  entwickelt.  Wir  sehen  beim  Weibe  den  längeren
Rumpf,  die  kürzeren  Beine,  das  breitere  Becken,  die  starkentwickelten  Brüste,  beim
Manne  die  längeren  Beine,  die  stärker  entwickelten  Muskelgruppen,  den  breiteren  Brustkorb,
  das  schmälere  Becken,  beide  ihren  Geschlechtsaufgaben  entsprechend  entwickelt.

Um  die  Verschiedenheit  der  äußeren  Form  begreiflich  zu  machen,  haben  wir  in  der
zweiten  Gruppe  (Tafel  2)  die  Haut  teilweise  entfernen  lassen.  Wir  erkennen  dadurch
die  Fettansammlungen  an  den  Schenkeln,  Bauch,  Brüsten  und  Armen  bei  der  weiblichen
Figur,  die  dem  Manne  in  diesem  Grade  fehlen  und  so  vieles  erklärlich  machen.  Es  sind
durch  Beseitigung  der  Oberhaut  auch  die  sehnigen  Häute  sichtbar  geworden,  die  vor
allem  den  Bauch  und  die  untere  Muskelschicht  bedecken  und  an  vielen  anderen  Stellen
zwischen  den  Muskeln  sichtbar  werden.  Wenn  man  diese  Verhältnisse  zwischen  Fett,
Häuten,  Muskeln  verstehen  gelernt  hat,  so  wird  uns  anderes  dadurch  deutlicher  gemacht.
Nun  erst  gehen  wir  an  die  inneren  Organe.

Die  dritte  Tafel  zeigt  uns  den  geöffneten  Rumpf  vom  Kehlkopf  bis  zur  Blase.
Schlägt  man  die  beiden  Lungenflügel  ouseinander,  so  werden  die  großen  Venen  und