Arterien  sichtbar,  die  vom  Herzen  zum  Rumpfe  aufsteigen;  öffnet  man  das  Herz,  so  vermag
  man  deutlich  seinen  inneren  Bau  zu  erkennen.  Das  Zwerchfell  grenzt  die
Brusthöhle  von  der  Bauchhöhle  ab,  die  Leber  befindet  sich  rechts  dicht  darunter,  der
Magen  ist  zum  Teil  von  ihr  bedeckt.  Links  hinter  dem  Magen  sieht  die  Milz  hervor
und  vor  diesen  drei  Organen  breitet  sich  der  Dickdarm  aus,  der  rechts  unten  als  „Blinddarm“
  beginnt  und  in  der  Mitte  hinter  der  Blase  als  „Mastdarm“  endet.  Der  Blinddarm
  mit  dem  Wurmfortsatz  kann  geöffnet  werden  und  gibt  uns  ein  dentliches  Bild
seines  Inneren  und  des  Dünndarm-Anschlusses.  Diese  Stelle  im  großen  Becken  bildet
die  berühmte  Ecke,  wo  die  Blinddarm-Operationen  ausgeführt  werden.  Sie  wird
viele  Leser  interessieren.

Der  mittlere  Raum  wird  durch  den  Dünndarm  ausgefüllt,  es  ist  die  Stelle,  wo
um  den  Nabel  herum  der  gewöhnliche  „Bauchschmerz“  sitzt.  Schlagen  wir  die  Darmschlingen
  nach  unten,  dann  werden  die  Gefäße  sichtbar,  die  vom  Herzen  nach  dem  Unterkörper
  ziehen,  um  das  Becken  und  die  Beine  zu  versorgen,  ferner  die  beiden  Nieren  mit
den  Harnleitern,  welche  in  die  Blase  münden.  Sehr  deutlich  sind  die  Nierenvenen  angegeben,
  welche  das  Blut  zum  Herzen  hinaufleiten.  Auch  die  sog.  „Uebernieren“  sind  zu
erkennen.  Die  geschützte  Lage  der  Harnorgane  und  der  großen  Gefäße  wird  aus  diesen
Darstellungen  ersichtlich  und  fördert  das  Verständnis  für  so  manchen  bisher  unerklärlich
gewesenen  Vorgang  in  unserem  Organismus.  Noch  erübrigt  zu  bemerlen,  daß  die  hellen
kleinen  Rechtecke  in  der  dünnen  Muskelschicht  an  der  Peripherie  des  Rumpfes  die  durchschnittenen
  Rippen  bedeuten.

Die  vierte  Tafel  stellt  das  weibliche  Becken  dar.  In  der  Profilansicht  erkennen
wir,  von  vorn  nach  hinten  gehend,  den  Durchschnitt  des  Schambeins,  dann  die  Blase
samt  der  Harnröhre,  hinter  dieser  die  Scheide  mit  der  Gebärmutter  und  dann  das  Darmrohr,
  das  umfangreich  ist.  An  dem  fettreichen  Gesäß  unterscheidet  man  die  durchschnittenen
  Wirbelknochen  bis  ans  Ende  des  Steißbeines.  In  übersichtlichster  Weise  gibt
diese  Zeichnung  die  drei  Leibesöffnungen  des  weiblichen  Beckens  wieder,  deren  enge
Nachbarschaft  die  Anteilnahme  aller  Organe  an  der  Erkrankung  eines  einzelnen  erklärlich
machen.  Um  die  Deutlichkeit  der  Darstellung  nicht  zu  beeinträchtigen,  sind  Nerven  und
Gefäße  weggelassen.  Am  zerlegbaren  Modell  unterscheiden  wir  das  knöcherne  Becken,
an  dem  das  Schambein  abgesägt  ist  (siehe  Fig.  5  im  ersten  Kapitel  der  „Hausärztin").
Ein  dickes  Muskellager  umgibt  die  Knochen,  eine  dicke  Fettschicht  liegt  diesem  auf.  Unter
der  Blase  ist  das  Scheidenrohr  sichtbar,  ferner  der  Bauchsellüberzug  des  Uterus,  der  auch
die  Eileiter  und  die  Ovarien  schleierartig  bedeckt.  Erhebt  man  diese  Teile,  dann  zeigt
sich  uns  die  wulstige  Scheide  mit  der  Portio,  also  der  Gebärmutter-Eingang.  Die  Darstellung
  ist  eine  natürliche  und  die  Beschaffenheit  und  Lage  der  weiblichen  Beckenorgane
wird  dadurch  allgemein  verständlich.

Die  Profilansicht  (Tafel  5)  des  männlichen  Beckens  weist  große  Unterschiede  auf.
Schambein  und  Blase  sind  dieselben,  wie  im  weiblichen  Becken,  die  Harnröhre  aber  zeigt
schon  große  Abweichungen,  erstens  durch  ihre  Länge,  zweitens  durch  die  Organe,  die  sie
umgeben.  Es  find  die  Samenblase,  die  Samenstränge  und  -Drüsen.  Ein  viel  breiterer  Damm
liegt  zwischen  Blase  und  Darm  als  bei  der  Frau  und,  wie  deutlich  zu  sehen  ist,  hat  das
mämnliche  Becken  nur  zwei  Leibesöffnungen.  An  der  verlängerten  männlichen  Harnröhre
unterscheidet  man  eingelagerte  Muskel,  die  Vorhaut  und  die  stumpfe  „Eichel“  an  der
Spitze  des  Penis  (männlichen  Gliedes).  Die  Mündung  der  Samenstränge  in  die  Harnröhre
  erfolgt  unterhalb  der  Harnblase.  Der  geöffnete  Hodensack  enthält  eine  Hode  mit
Blutgefäßen  und  Samensträngen.  Die  Vorderansicht  des  männlichen  Beckens  stellt  die
Genitalien  des  Mannes  dar,  die  entgegen  dem  weiblichen  Becken  ganz  außerhalb  desselben
  liegen.  Die  Harnblase  liegt  mit  den  Harnleitern  in  der  Mitte  des  Beckens  und
ist  von  Blutgefäßen  umgeben;  hebt  man  die  Genitalien  auf,  so  eröffnet  sich  uns  das
Innere  derselben,  dessen  Teile  nach  dem  Vorausgeschickten  schon  verständlich  sind.

Man  lese  „Harnorgane"  und  „Geschlechtsorgane“  im  ersten  Kapitel  des  Werkes  nach.