Das  Herzogthum  Warschau.  17

trägers  v.  Serra,  die  zuletzt  sogar  die  sächsische  Langmuth  zu
Beschwerden  zwang,  die  sich  auf  20  Millionen  belaufenden
Dotationen  an  französische  Marschälle  und  Großwürdenträger  1),
die  dieselben  noch  obendrein  willkürlich  vergrößerten  und  sich
selbst  weigerten,  dafür  zu  den  öffentlichen  Lasten  beizutragen,
das  Raubsystem  der  Generale  2),  die  nachträglichen  Liquidationen
  der  französischen  Beamten  für  Schenkungen,  die  der  Kaiser
an  eroberten  Kanonen,  Magazinvorräthen,  Stempelpapier  2c.
der  provisorischen  Regierung  gemacht  hatte,  und  über  dies  alles
die  in  der  dresdner  Convention  stipulierte  Besetzung  des  Herzogthums
  durch  30000  Mann  Franzosen,  die  auf  Kosten  des
Landes  zu  unterhalten  waren,  vereitelten  alle  Anstrengungen
des  Königs,  Ordnung  in  die  polnischen  Finanzen  zu  bringen.
Das  Budget  des  Jahres  1808  wies  ein  Deficit  von  21  Millionen
  Fl.  auf.  Davout,  welcher  den  Oberbefehl  über  das
3.  Armeecorps,  die  polnischen  und  sächsischen  Truppen,  führte,
war  nicht  der  Mann,  der  den  militärischen  Druck  auf  das
Maß  des  Unumgänglichen  beschränkt  hätte,  ja  Napoleon  selbst
mußte  ihn  mehrmals  erinnern,  den  Bogen  nicht  zu  überspannen
  3).  Er  sagte  auch  dem  Könige  auf  dessen  wiederholte
Bitten  und  Klagen  den  Abzug  der  französischen  Truppen  ausdrücklich
  zu  und  beschäftigte  sich,  da  ihm  das  Bedenkliche  einer
fortdauernden  Überbürdung  des  Herzogthums  nicht  verborgen
blieb,  mehrmals  mit  der  Reduction  der  polnischen  Armee,
allein  die  unaufhörliche  Spannung,  in  der  seine  unruhige
Herrschsucht  ganz  Europa  hielt,  machte  es  ihm  unerläßlich,  auf
diesem  vorgeschobenen  Posten  eine  starke  Truppenmacht  zu

1)  Aufgezählt  bei  Bredow  und  Venturini,  Chronik  des  neunzehnten
  Jahrhunderts  IV  (1810),  S.  353.

2)  Unter  anderm  bemächtigte  sich  Davout  ohne  weiteres  der  dem
früheren  preußischen  Commandanten  von  Warschau  gehörigen  Meubles,
und  dem  König  blieb  nichts  übrig,  als  sie  dem  sie  reclamierenden  Eigenthümer
  zu  ersetzen,  „da  dies“,  wie  Bose  meinte,  „sowohl  ein  Act  der
Gerechtigkeit  gegen  diesen  als  eine  zarte  Aufmerksamkeit  gegen  den  Marschall
  sein  werde“.

3)  Corresp.  de  Nap.  XVI,  110;  XVII,  201.  208.

Flathe,  Neuere  Geschichte  Sachsens.  2