Zusammenkunft  zu  Erfurt  1808.  27

fie  würden  ihm  in  der  öffentlichen  Meinung  Deutschlands  eine
Stärke  verleihen,  die  es  nicht  haben  darf,  Osterreich  selbst
würde  von  seiner  Macht  eine  übertriebene  Vorstellung  erhalten,
weil  man  seine  Rüstungen  geduldet  habe,  und  sich  bald  zum
Kriege  entschließen,  den  es  von  vornherein  nicht  wollte.  Da
also  Osterreich  rüstet,  so  müssen  wir  auch  rüsten.  Ich  fordere
Ew.  Maj.  auf,  zwei  Divisionen  Ihrer  Armee,  die  eine  in  der
Lausitz,  die  andere  an  der  Elbe  zusammenzuziehen.  Als  Zweck
dieser  Maßregel  ist  nur  die  Bildung  von  Übungslagern  anzukündigen.
  Unterdes  hat  Ihr  Gesandter  in  Wien  eine  friedliche
Sprache  zu  führen;  wenn  man  aber  gegen  ihn  die  Rüstungen
Ew.  Maj.  erwähnt,  soll  er  sie  nicht  läugnen,  sondern  sagen:
wir  rüsten  ebenso  wie  Frankreich,  weil  Ihr  rüstet,  es  geschieht
zu  unserer  Vertheidigung.  Setzt  Cuch  wieder  in  die  Verfassung,
in  der  Ihr  vor  sechs  Monaten  waret,  und  die  Lager,  die  wir
gebildet  haben,  werden  aufgelöst  werden.“  Ohne  Verzug  wurden
  bei  Bautzen  und  bei  Pirna  zwei  Lager  gebildet,  aber  die
Gefahr  ging  diesmal  vorüber;  Preußen  vertagte  durch  den
Vertrag  vom  8.  September  seine  Rachegedanken,  Napoleon
gab  sich  den  Anschein,  Österreichs  Friedensversicherungen  Glauben
zu  schenken  und  gewann  so  Zeit,  zu  Erfurt  durch  die  Erneuerung
  des  Freundschaftsbundes  mit  Alexander  den  drohenden
Sturm  zu  beschwören.  Sogleich  beim  ersten  Gerüchte  von  der
in  der  Nähe  der  sächsischen  Grenze  bevorstehenden  Zusammenkunft
  der  beiden  Kaiser  stellte  Graf  Bose  dem  Könige  die
Nothwendigkeit  vor,  dem  Mächtigen  in  Person  aufzuwarten  1).
Ein  sächsischer  Offizier  wurde  ihm  zur  Begrüßung  bis  an  den
Rhein  entgegengeschickt,  dann  machte  sich  der  König  selbst  auf,

1)  „de  lui  témoigner  des  attentions  publiques,  dont  il  est  si
jaloux  et  surtont  de  menager  à  cette  occasion  les  plus  grands  intérets
  de  tous  Ses  états“.  Bose  an  den  König  13.  Sept.  1808.  —
Am  21.  Sept.  schreibt  er:  „A-t-i  existé  une  crise  généralc  encore
comme  celle  de  la  semaine  prochaine?  et  ne  faut-il  pas  du'un  fdele
serviteur  conjure  tous  les  moyens  pour  tout  diriger  favorablement  vers
le  but  de  la  satisfaction  compläte  de  homme  puissant,  Son
ami?“