36  König  Friedrich  August  I.  1806  -1813.

schien  auch  diesem  zu  verlockend,  um  nicht  den  Versuch  zu
wagen.  Jedenfalls  aber  war  das  neunte  Armeecorps,  selbst
durch  einen  Angriff  Oudinots  auf  Baumsdorf  und  Macdonalds
weiter  links  gegen  den  Rußbach  unterstützt,  dazu  viel  zu  schwach.
Heldenmüthig  erstürmte  zwar  die  Division  Dupas,  die  Bataillone
  Radloff  und  Metzsch  an  ihrer  Spitze,  die  Batterie
jenseits  des  Rußbachs,  mußte  sie  aber,  da  keine  weiteren
Truppen  folgten,  sehr  bald  den  neu  sich  heranwälzenden  Massen
wieder  überlassen  und  hinter  den  Bach  zurückweichen.  Nun
erst  erhielt  General  Leco)  Befehl  Wagram  mit  Sturm  zu
nehmen.  Es  dunkelte  bereits,  als  die  Sachsen  in  das  brennende
und  von  den  Osterreichern  mit  Zähigkeit  vertheidigte  Dorf  eindrangen
  und  es  bis  auf  wenige  Häuser  eroberten.  Da  wollte
ein  unglücklicher  Zufall,  daß  die  zu  Lecoqs  Unterstützung  vorrückende
  Brigade  des  Generals  v.  Hartitzsch,  der  bei  dieser
Gelegenheit  tödtlich  verwundet  wurde,  verleitet  durch  die  Ahnlichkeit
  der  sächsischen  mit  der  österreichischen  Uniform,  auf  ihre
im  Dorfe  kämpfenden  Landsleute  feuerte.  Diese,  durch  das
Dorfgefecht  auseinandergekommen,  glaubten  sich  im  Rücken  angegriffen
  und  erwiderten  das  Feuer;  es  entstand  eine  gräuliche
Verwirrung,  die,  durch  die  Dunkelheit  vermehrt,  sich  selbst  bis
zu  Machdonalds  Corps  und  den  Italienern  verpflanzte  und  keine
andere  Wahl  ließ,  als  das  Dorf  zu  räumen  und  die  Truppen
außerhalb  desselben  zu  sammeln,  worauf  sie  unverfolgt,  aber
sehr  zusammengeschmolzen  und  aufs  äußerste  erschöpft  nach
Aderklaa  zurückgiengen.  Es  dauerte  bis  Mitternacht,  ehe  die
Ordnung  sich  wiederherstellte;  mit  Tagesanbruch  führte  sie
Bernadotte  noch  etwas  weiter  zurück,  so  daß  sie  in  gleiche  Höhe
links  mit  Massena,  rechts  mit  der  italienischen  Armee  zu  stehen
kamen.

Dieser  für  die  österreichischen  Waffen  glückliche  Anfang  ermuthigte
  den  Erzherzog  Karl,  am  folgenden  Morgen  selbst  die
Offensive  zu  ergreifen.  Gelang  es  ihm  mit  seinem,  zu  diesem
Zwecke  sehr  verstärkten  rechten  Flügel  den  Feind  von  der  Donau
und  damit  von  der  Verbindung  mit  der  Insel  Lobau  abzudrängen,
  so  konnte  er  hoffen,  ihn  mit  dem  Centrum  und  dem