38  König  Friedrich  August  I.  1806—1813.

und  Lauristons  Angriff  zusammenbrechen  sah,  trat  den  Rückzug
  an.  Der  Verlust  der  Sachsen,  der  15  Offiziere  und  576
Mann  an  Todten,  11  Offiziere  und  3533  Mann  an  Verwundeten
  und  Vermißten,  also  ein  volles  Drittheil  des  in  die
Schlacht  gegangenen  Corps  betrug,  sprach  deutlich  für  den
Antheil,  welchen  sie  an  dem  Siege  bei  Wagram  genommen.
Aber  der  eigenthümliche  Unstern,  der  die  Sachsen  unter
Napoleons  Fahnen  hartnäckig  verfolgt  hat,  wollte,  daß  sie,  und
zwar  diesmal  durch  ihres  eigenen  Anführers  Schuld,  statt  der
verdienten  Anerkennung  Vorwürfe  und  Verunglimpfung  ernteten.
  Seit  langem  mit  dem  Kaiser  gespannt,  grollend  über  die
untergeordnete  Rolle,  die  ihm  in  diesem  Feldzuge  zu  Theil
geworden  war,  mißtrauisch  und  anmaßend,  hatte  Bernadotte's
üble  Laune  durch  das  Mißlingen  des  Angriffs  auf  Wagram
am  Abend  des  öten,  das  er  dem  Ausbleiben  rechtzeitiger  Unterstützung
  schuld  gab,  den  Gipfel  erreicht.  Er,  der  früher  selbst
über  die  mangelhafte  Kriegstüchtigkeit  der  Sachsen  Klage  geführt
  hatte,  überschüttete  sie  nun  im  Bivougc  bei  Enzersdorf
mit  überschwänglichem  Lobe  1).  „Ich  habe  euch  zur  Ehre  führen
wollen“,  setzte  er  hinzu  und  trug  geflissentlich  Sorge,  daß  seine
Worte  dem  Kaiser  hinterbracht  würden,  „ich  habe  euch  dem
Tode  entgegengeführt;  ihr  habt  geleistet,  was  ich  nur  erwarten
konnte,  man  wird  es  trotzdem  nicht  anerkennen,  weil  ihr  es
unter  meinem  Befehle  thatet.“  Hiermit  noch  nicht  zufrieden
erließ  er  am  7.  Juli  an  die  Sachsen  einen  überaus  tactlosen
Armeebefehl,  in  welchem  er  nicht  nur  ihre  Leistungen  weit  über
die  Grenzen  der  verdienten  Anerkennung  übertrieb,  sondern
sich  sogar  anmaßte,  ihnen  des  Kaisers  besondere  Zufriedenheit
auszudrücken.  Die  Folge  war  seine  unmittelbare  Enthebung
vom  Commando  und  ein  nur  den  Marschällen  mitgetheilter
Tagesbefehl  des  Kaisers,  der  über  das  Verfahren  des  Fürsten
von  Pontecorvo  den  schärfsten  Tadel  verhängte;  weniger  noch
als  eine  derartige  Unbotmäßigkeit  mochte  es  Napoleon  dulden,

1)  Starkloff,  Leben  des  Herzogs  Bernhard  von  Sachsen  -Weimar
1  (1865),  S.  85.