Feldzug  in  Sachsen  1809.  45

Antwort,  daß  der  Herzog  ohne  ausdrücklichen  Befehl  des  Kaisers
sich  nicht  von  der  Stelle  rühren,  auch  nicht  ein  einziges  Bataillon
  abgeben  dürfe.  So  mußte  sich  denn  der  schutzlos  gelassene
  König  13.  Juni  zur  Fortsetzung  seiner  Flucht  nach
Frankfurt  a.  M.  entschließen  1).  Hier  erfuhr  er  den  von  dem
Geheimenrathe  beim  Erzherzog  Karl  gethanen  Schritt;  in  der
höchsten  Bestürzung  ertheilte  er  demselben  unverzüglich  einen
strengen  Verweis  und  suchte  durch  ein  demüthiges  Entschuldigungsschreiben
  den  Zorn  des  Kaisers  über  diesen  Mißgriff
zu  besänftigen  2).  Die  Antwort  des  Erzherzogs  wurde  uneröffnet
  dem  Kaiser  zugesendet.

Der  Herzog  von  Braunschweig  hatte  sich  zur  Genüge  überzeugen
  können,  daß  auf  eine  Erhebung  in  Sachsen  nicht  zu
rechnen,  der  Zweck  seines  Zuges  überhaupt  verfehlt  sei.  Die
Anfrage,  welche  ein  von  ihm  angeblich  wegen  Auswechselung
von  Gefangenen  in  das  sächsische  Hauptquartier  geschickter  Parlamentair
  stellte,  ob  auf  eine  Convention  wegen  Böhmens  zu
rechnen  sei,  wenn  die  eingefallenen  Truppen  sich  ruhig  aus
Sachsen  zurückzögen,  verrieth  deutlich  seine  Geneigtheit,  auf
weitere  Unternehmungen  zu  verzichten;  aber  Thielmann  in  seiner
Sucht  nach  Großthaten  „that,  als  verstünde  er  es  gar  nicht“!
Eine  solche  Convention  hätte  dem  Lande  die  doppelte  Last  der
österreichisch=  braunschweigischen  Invasion  und  die  noch  weit
drückendere  der  westfälischen  Hilfe  erspart,  die  jetzt  herannahte.
General  d'Albignac  stand  bereits  bei  Sondershausen,  der  König
Jeröme  selbst  wurde  in  Querfurt  erwartet  3),  ließ  sich  aber
durch  die  falsche  Nachricht  vom  Vordringen  einer  feindlichen
Colonne  über  Koburg  gegen  Westfalen  festhalten,  und  es  be-1)

  Er  zeigte  dies  Napoleon  mit  dem  Zusatze  an:  „Le  bras  puissant
de  mon  grand  Protecteur  et  Ses  bontés  pour  moi  sont  des  motils
suffigants  pour  m’inspirer  une  parfaite  sécurité  et  pour  me  faire
espérer,  due  cette  nouvelle  aggression  de  l'ennemi  commun  ne  restera
pas  longtemps  impunie.“  Dresdn.  Arch.

2)  Siehe  Anhang,  Nr.  3.

3)  Den  phrasenhaften  Tagesbefehl,  in  welchem  Thielmann  dies  seinen
Truppen  bekannt  machte,  s.  bei  v.  Holtzendorff,  S.  192.