Felbzug  in  Sachsen  1809.  47

leipziger  Post  aufgefangenen  Brief  des  Erzherzogs  Karl  an
den  Herzog,  worin  jener  seinen  Unwillen  über  die  von  den
Braunschweigern  in  Sachsen  verübten  Ausschweifungen  aussprach,
zwar  dem  Herzoge  zusendete,  gleichzeitig  aber  auch  in  der  leipziger
  Zeitung  veröffentlichte,  eine  Handlungsweise,  die,  unedel
an  sich,  nur  den  Gegner  nutzlos  erbittern  mußte  und  deshalb
auch  vom  Könige  öffentlich  gemißbilligt  wurde.

Alle  Unregelmäßigkeiten  jedoch,  welche  die  Braunschweiger
sich  hatten  zu  schulden  kommen  lassen,  wurden  gänzlich  in
Schatten  gestellt  durch  die  Ausschweifungen,  die  sich  die  zuchtlosen
  Westfalen  und  die  nach  ihnen  kommenden  Holländer  gegen
das  Land,  welches  sie  beschützen  sollten,  erlaubten.  Allerdings
ahmten  sie  damit  nur  das  von  ihren  Anführern  gegebene  Beispiel
  nach.  Kaum  hatte  d'Albignac  Leipzig  besetzt,  so  begannen
allerhand  Requisitionen,  die  jedoch  Thielmann  „der  öffentlichen
Meinung  halber“  zu  bezahlen  rathsam  fand.  Als  nun  vollends
König  Jerôme,  der  voll  lächerlicher  Großfprecherei  sich  als
Sachsens  Befreier  gerierte  1),  am  26.  Juni  an  der  Spitze  eines
überaus  glänzenden  Gefolges  seinen  Einzug  in  Leipzig  hielt,
steigerten  sich  die  Ansprüche  zwar  nicht  für  die  Truppen,  wohl
aber  für  die  königliche  Küche  ins  maßlose.

Unterdessen  war  Am  Ende,  der  seinen  Rückzug  in  der  Richtung
  auf  Dresden  unbehelligt  fortsetzte,  durch  den  zum  Oberbefehlshaber
  aller  österreichischen  Truppen  in  Sachsen  und  im
Baireuthischen  ernannten  Feldmarschall  Kienmayer  abgelöst  worden.
  Mit  der  Ankunft  dieses  energischen  und  tüchtigen  Heerführers
  kam  ein  neuer  Geist  in  den  schläfrigen  Gang  der
Operationen.  Er  stellte  sogleich  den  Rückzug  ein  und  gieng
dem  von  Waldheim  her  folgenden  Feinde  über  die  Mulde  wieder
entgegen.  Bei  dem  Dorfe  Marbach  entspann  sich  28.  Juni
ein  Gefecht,  das  d'Albignac,  da  er  während  desselben  die  Weisung
  bekam,  sich  keinem  Verlufte  auszufetzen,  nur  matt  bis  zur
Dunkelheit  hinhielt,  worauf  er  sich  zurückkog  und  am  nächsten
Tage  den  Oberbefehl  an  den  mit  4000  Holländern  angelangten

1)  Poppe  I,  282.