1811

70  König  Friedrich  August  I.  1806—1813.

setzen.  Sein  Hintergedanke  dabei  war,  daß  der  in  den  Geschäften
  ganz  unerfahrene  Prinz  der  bloße  Repräsentant,  er
selbst  aber  als  bevollmächtigter  Minister  des  Königs  in  Warschau
und  unter  Beibehaltung  seines  dresdner  Ministeriums  der
eigentliche  Inhaber  der  höchsten  Regierungsgewalt  sein  solle.
Allein  theils  lag  es  nicht  in  des  Königs  Art,  sich  so  leicht
eines  Theils  seiner  Auctorität  zu  entäußern,  theils  wagte  er
es  nicht  ohne  Genehmigung  des  Kaisers,  und  da  auf  eine
Anfrage  deshalb  keine  Antwort  kam,  so  blieb  das  ganze  Project,
  wie  so  viele  andere,  unausgeführt.  Während  des  Königs
Anwesenheit  wurde  eine  besondere  Commission  mit  einer  Generalrevision
  der  ganzen  Verwaltung  und  mit  Vorschlägen  zu
ihrer  Verbesserung  beauftragt,  und  als  der  König  zur  Eröffnung
des  zweiten  polnischen  Reichstags  sich  im  September  1811
abermals  nach  Warschau  begab,  fanden  Personalveränderungen
im  Ministerium  statt,  auch  wurden  um  den  am  ärgsten  verwahrlosten

  Zweigen  der  Verwaltung  aufzuhelfen  Generaldirectionen

  des  Schatzes,  der  Nationaldomainen  und  des  Krieges

geschaffen.
Allein  das  eigentliche,  die  Lebenskraft  des  Landes  aufzehrende

Krebsübel,  die  ungeheueren  Ausgaben  für  die  Heeresrüstung

und  die  dadurch  bedingte  chronische  Zerrüttung  der  Finanzen
blieb  damit  ungehoben.  Das  Bild,  welches  der  König  dem
Kaiser  von  dem  Zustande  des  unter  diesen  Lasten  erliegenden
Herzogthums  entwarf,  war  über  die  Maßen  trübselig.  In
beweglichen  Worten  schildert  er  die  Größe  der  Anstrengungen,
die  der  Reichstag  gemacht  habe,  um  dem  Wiederhersteller
Polens  seine  Dankbarkeit  zu  beweisen,  die  Opfer,  welche  das
Land  sich  für  die  Aufrechthaltung  des  Staats  auferlege  und
die  doch  alle  bei  der  durch  die  Sperrung  des  Handels  bedingten
Unmöglichkeit,  die  Hilfsquellen  des  Bodens  zu  verwerthen,  und
bei  den  zahllosen  Steuerrückständen  dem  Anschwellen  des  Deficits
  nicht  Einhalt  thun  könnten.  Was  von  seiten  des  Kaisers
zur  Linderung  dieses  Zustandes  geschah,  stand  zur  Größe  des
Uebels  in  keinem  Verhältnisse.  Um  den  Landesproducten  einen
Ausweg  zu  eröffnen,  wurde  dem  Könige  Aussicht  auf  eine