Das  Herzogthum  Warschau.  71

Anzahl  von  Licenzen  gemacht,  wie  solche  der  Kaiser  zur  Umgehung
  der  Continentalsperre  damals  mehrfach  an  Begünstigte
austheilte;  nach  langem  vergeblichen  Sollicitieren  wurden  dieselben
  endlich  bewilligt,  aber  nicht  dem  Herzogthum,  sondern
dem  Gouverneur  von  Danzig,  General  Rapp,  und  zu  so
exorbitanten  Preisen  und  unter  solchen  Beschränkungen,  daß
sie  für  den  Handel  nutzlos  waren.  Außerdem  versprach  Napoleon
  eine  Anleihe  von  12  Millionen  Frcs.  zu  begünstigen.
für  welche  die  Salzwerke  von  Wieliczka  als  Hypothek  dienen
und  die  der  leipziger  Kaufmann  Dufour  in  Paris  negociieren
sollte.  Allein,  trotzdem  daß  der  Kaiser  um  das  Publikum
anzulocken  unter  der  Hand  darauf  eine  Million  aus  seinem
Schatze,  und  da  das  nichts  half,  eine  zweite  zeichnen  ließ,  so
fand  sie  nur  sehr  geringen  Anklang  und  brachte  im  Ganzen
kaum  5  Millionen  ein,  und  selbst  die  kaiserliche  Beihilfe  erwies
sich  als  ganz  illusorisch,  denn  der  König  mußte  sich  gefallen
lassen,  daß  die  für  die  bayonner  Forderungen  rückständigen
Termine  mit  Wucherzinsen  davon  abgezogen  wurden  1).  Und
dabei  ward  dem  Könige  aus  Paris  fort  und  fort  eingeschärft,
es  müsse  unbedingt  und  auf  der  Stelle  Geld  geschafft  werden,
um  Pferde  für  die  Armee  zu  kaufen  und  die  Artillerie  zu
completieren!

Denn  kaum  waren  seit  dem  wiener  Frieden  wenige  Monate
vergangen,  als  schon  ein  neues  Kriegsungewitter  aufstieg  und
bald  drohend  über  dem  Scheitel  des  Herzogthums  Warschau
stand.  Mit  unverhohlenem  Argwohn  sah  Kaiser  Alexander  die
Vergrößerung  des  unheimlichen  Nachbars  durch  Galizien,  die
Vorbotin  einer  förmlichen  Wiederherstellung  Polens.  Er  verlangte
  Bütgschaft,  daß  das  Herzogthum  nicht  weiter  vergrößert
werde,  daß  es  nicht  als  ein  eigner  Staat,  sondern  als  integrierender
  Theil  Sachsens  gelte,  kein  polnischer  Orden  mehr
vom  Könige  verliehen  werde,  selbst  der  Name  Polen  aus  der
officiellen  Sprache  verschwinde.  Wie  gern  aber  auch  Napoleon
das  russische  Mißtrauen  noch  eine  Weile  eingeschläfert  hätte,

1)  Senfft,  p.  152.  159.  Corresp.  de  Nap.  XXII,  99;  XXIII,  152.