de  Pradt  in  Warschau.  Aufbruch  der  sächsischen  Truppen.  79

De  Pradt's  Sendung  war  ein  deutlicher  Fingerzeig,  daß  das
schwache  Band,  welches  das  Herzogthum  Warschau  an  Sachsen
knüpfte,  sich  zu  lösen  beginne,  daß  der  Kaiser  es  bereits  als
einen  gesonderten  Staat  betrachte.  Am  28.  Juni  trat,  vom
Ministerconseil  berufen,  der  Reichstag  zusammen  und  verwandelte
  sich  drei  Tage  darauf  in  eine  Generalconföderation
des  Königreichs  Polen.  Von  der  ganzen  nationalen  Erhebung
wurde  der  nominelle  Souverain  bereits  ganz  fern  gehalten.
Wenn  eine  feierliche  Deputation  der  Polen  ihn  einlud,  der
Conföderation  beizutreten  und  für  den  Grafen  Senufft  das
polnische  Bürgerrecht  beantragte,  so  war  dies  leeres  Blendwerk.
  Sachsens  Rolle  in  Warschau  war  zu  Ende,  und  indem
der  König  sein  Heer  zum  Kriege  gegen  Rußland  stellte,
wurde  ihm  zugemuthet,  für  den  Verlust  des  Herzogthums  zu
kämpfen.

Den  Anordnungen  des  Kaisers  zufolge  verließen  die  sächsischen
  Truppen  ihre  Garnisonen  schon  am  5.  November  1811,
um,  durch  eine  Postenkette  gegen  die  preußische  Grenze  gedeckt,
Cantonierungen  an  der  Elbe  zu  beziehen  und  hier  der  Vollendung
  ihrer  Ausbildung  in  allen  Zweigen  des  Kriegsdienstes
mit  Eifer  sich  zu  widmen  1).  Mitte  Februar  rückten  sie  in
eine  gedrängtere  Stellung  in  der  Niederlausitz  mit  dem  Hauptquartier
  Guben.  Die  Ausrüstung  des  Corps  ließ  nichts  zu
wünschen,  seine  Gesamtstärke  belief  sich  auf  21383  Mann  mit

1)  Die  Hauptschriften  über  die  Theilnahme  der  Sachsen  am  russischen
Feldzuge  sind:  v.  Cerrini,  Die  Feldzüge  der  Sachsen  in  den  Jahren
1812  und  1813  (1821).  —  Sachsen  und  seine  Krieger  in  den  Jahren
1812  und  1813  (1829).  —  Erinnerungen  aus  dem  Feldzuge  des  sächsischen
  Corps  unter  General  Reynier,  aus  den  Papieren  des  Generalleutnants
  v.  Funck  (1829).  —  Beiträge  zur  militärischen  Geschichte
Sachsens  in  Zeitschrift  für  Kunst,  Wissenschaft  und  Geschichte  des  Kriegs,
Bd.  XL  (1837).  —  v.  Welden,  Feldzug  der  Österreicher  gegen  Rußland
im  Jahre  1812  (1870).  —  Persönliche  Erlebnisse  in:  Goethe,  Aus  dem
Leben  eines  sächsischen  Husaren  (1852).  —  v.  Burkersrode,  Die  Sachsen
in  Rußland  (1846).  —  v.  Merheim,  Erlebnisse  eines  Veteranen  während
  des  Feldzugs  in  Rußland  (1860).