Russischer  Feldzug  von  1812.  91.

haben.  Die  Spärlichkeit  der  Fourage,  die  Fütterung  mit  unreifem
  Getreide,  der  jähe  Witterungswechsel,  die  starken  Märsche
in  bahnlosem  Sumpfboden  und  die  täglichen  Entsendungen  zu
Requisitionen  brachten  die  Pferde  vollständig  herunter.  Schon
am  17.  August  hatte  die  Brigade  Thielmann  deren  140  verloren,
  ungerechnet  100  andere  unbrauchbar  gewordene,  und  es
war  nur  der  den  deutschen  Soldaten  charakterisierenden  Sorgfalt
  für  sein  Thier  zu  danken,  daß  der  Abgang  hier  doch  immer
noch  hinter  dem  der  französischen  Regimenter  zurückblieb.

Am  20.  und  21.  Mai  überschritt  die  sächsische  Reiterbrigade
bei  Wola  die  Weichsel,  am  2.  Juli  bei  Grodno  den  Niemen.
An  der  Schlacht  bei  Smolensk  nahm  von  den  Sachsen  nur
das  Regiment  Albert,  aber  auch  dieses  nur  untergeordneten
Autheil;  denn  erst  am  Morgen  vor  der  mit  Ungeduld  ersehnten
Schlacht  an  der  Moskwa,  am  6.  September,  stieß  das  in
sichtbarem  Vergehen  begriffene  Reitercorps  Latour-Maubourgs
zwischen  Gzosk  und  Moszaisk  zum  Hauptheere,  die  sächsischen
Reiter,  brennend  vor  Kampfbegierde,  selbst  die  schwachen,  kranken
und  schlechtberittenen  drängten  sich  in  die  Glieder.  Mit  freudigem
  Zurufe  begrüßten  die  französischen  Garden  die  stolze,
kriegerische  Haltung  der  sächsischen  Brigade,  als  Latour-Maubourg
  sie  des  Morgens  nach  sechs  Uhr  an  der  Spitze  der
Division  Lorge  dem  Kampfplatze  zuführte,  das  Regiment  Garde
du  Corps  noch  450,  v.  Zastrow  nicht  über  400,  das  Regiment
Malachowski  nur  noch  180  Mann  in  Reih'  und  Glied.

Napoleons  Hauptstoß  richtete  sich  gegen  den  linken  Flügel
der  russischen  Stellung.  So  lange  Davout  und  Ney  um  den
Besitz  der  Bagrationschanzen  stritten,  mußte  die  sächsische  Brigade
  dem  brennenden  Dorfe  Semenowskoe  gegenüber  in  peinlicher
Unthätigkeit  unter  dem  heftigsten  feindlichen  Feuer  halten;  erst
als  jene  Schanzen  endlich  genommen  waren,  führte  Murat
Nansouty's  und  Latour-Maubourgs  Reiter  zum  Angriff.  General
  Lorge  erhielt  Befehl,  sich  der  Anhöhen  von  Semenowskoe
zu  bemächtigen.  Sofort  durchschritt  die  Brigade  Thielmann
in  demselben  Augenblicke,  wo  eine  Division  des  Ney'schen  Corps
in  Unordnung  von  der  Bergfläche  zurückkam,  den  Semenoyka-