92  König  Friedrich  August  I.  1806—1813.

grund  und  erstieg  den  jenseitigen  Rand;  der  Boden  war  schwierig,
  die  Anhöhe  steil,  das  feindliche  Feuer  mörderisch;  die
24  Schwadronen  Garde  du  Corps,  die  zuerst  oben  anlangten,
sahen  sich  russischen  Grenadieren  gegenüber,  die  im  Begriff
waren  sich  zu  ordnen.  Ohne  weiteres  Besinnen  stürzten  sie
sich  mit  Ungestüm  auf  den  Feind,  ritten  drei  seiner  Vierecke
eins  nach  dem  andern  nieder,  eroberten  eine  Batterie  und
warfen  auch  die  ihnen  entgegenkommenden  russischen  Dragoner.
In  der  Hitze  der  Verfolgung  geriethen  ungefähr  100  Mann
bis  hinter  die  russischen  Reserven  und  mußten  sich  nachher  den
Rückweg  zu  den  Ihrigen  durch  das  Feuer  beider  Heere  bahnen;
der  Oberst  des  Regiments  v.  Leyser  fiel  verwundet  in  Gefangenschaft.
  Unterdessen  kamen  die  Zastrow-Kürassiere  auch
herauf,  überritten  die  sich  wieder  sammelnden  Grenadiere  zum
zweitenmäle,  warfen  dann  die  russische  Reservekavalerie  und
verfolgten  sie.  Noch  einmal  raffte  sich  auf,  was  von  den
Grenadieren  übrig  war,  erlag  aber  den  nachfolgenden  polnischen
Kürassieren.  So  schnell  und  so  gut  es  gieng,  sammelten  sich
die  drei  ganz  auseinandergekommenen  Regimenter  um  den
neuen  Kampf  gegen  die  starken  russischen  Reitermassen  aufzunehmen,
  die  zur  Unterstützung  ihrer  hart  bedrängten  Infanterie
herantrabten;  es  kam  zu  einem  erbitterten  Handgemenge,  in
dem  Thielmann  selbst  mehrmals  in  persönliche  Gefahr  gerieth.
Endlich  auch  in  der  Flanke  gefaßt,  wurden  die  Sachsen  durch
die  Überzahl  fast  wieder  bis  an  den  Rand  des  Grundes  zurückgetrieben;
  hier  aber  kamen  ihnen  die  Westfalen  zu  Hilfe.
Nachdem  es  unter  dem  Schutz  dieses  Reitergefechtes  den  Franzosen
  gelungen  war,  sich  des  Dorfes  Semenowskoe  zu  bemächtigen,
  wurde  die  sächsische  Brigade,  die  sich  allmählich  wieder
ordnete,  etwas  zurückgenommen,  blieb  aber  auch  hier  dem
feindlichen  Feuer  noch  ausgesetzt;  die  Ruhe,  mit  der  sie  dasselbe
ertrug,  entzückte  Murat  so,  daß  er  ihr  aus  der  Ferne  Kußhändchen
  zuwarf.  Zwei  Stunden  lang  sich  langsam  rechts
ziehend,  kam  sie  mehr  und  mehr  der  großen,  den  Mittelpunkt
der  russischen  Aufstellung  bildenden  Rajewskischanze  gegenüber,
die  bisher  allen  Angriffen  getrotzt  hatte.  Es  war  Nachmittag