Rückkehr  Napoleons  und  der  sächsischen  Truppen.  103

des  Jahres  nach  Dresden  zurückkehrte,  erfuhr  man  die  Vernichtung
  der  Armee  in  ihrem  ganzen  Umfange.  Bald  bestätigte
  der  Augenschein  seinen  Bericht  in  grauenerregender
Weise,  obgleich  der  Hauptrückzug  nicht  durch  Sachsen  sondern
durch  die  Mark  gieng.  Seit  dem  9.  Januar  langten  die
Jammergestalten  in  Leipzig  an,  einzeln  oder  in  kleinen  Trupps,
ohne  Waffen  und  Montierungen,  ohne  einen  Schein  militärischen
  Ansehens,  die  meisten  kaum  fähig  zu  gehen,  den  Tod
in  den  Gliedern,  die  Orte,  die  sie  berührten,  mit  dem  Nervenfieber
  ansteckend.  Und  wie  kamen  sie  an,  die  elenden  Ueberbleibsel
  des  sächsischen  Heeres,  das  vor  noch  nicht  Jahresfrist
  so  siegesfroh  ausgezogen  war!  Von  den  Garde  du
Corps  sahen  7  Offiziere  und  4  Mann,  von  Zastrow  13  Offiziere
  und  3  Mann  das  Vaterland  wieder,  5  Offiziere  und
40  Gemeine  kehrten  später  aus  der  Gefangenschaft  zurück;  von
Prinz  Albert  14  Offiziere  und  12  Mann,  von  v.  Rechten  und
v.  Low  16  Offiziere.  Wie  wohlerhalten  erschien  im  Vergleich
zu  ihnen  das  7.  Armeecorps,  das  einschließlich  das  versprengte
  Gablenzsche  Corps  etwa  noch  3500  Mann  stark  war.
Der  russische  Feldzug  überhaupt  hatte  also  Sachsen  an  20000
Menschen  gekostet  1).  Es  galt  folglich  an  Stelle  des  verlornen
ein  ganz  neues  Heer  zu  schaffen;  es  war  das  Erste  und
Dringendste,  was  der  Kaiser  verlangte.

Daneben  stürmte  jetzt  ein  Meer  von  Sorgen  und  Bedrängnissen
  auf  die  sächsische  Regierung  ein.  Das  erste  Opfer
des  allgemeinen  Schiffbruchs  mußte  das  Schooßkind  der
sächsischen  Politik,  das  Herzogthum  Warschau,  werden.  Eine
Proclamation  des  Königs  an  seine  polnischen  Unterthanen  vom
31.  Januar  machte  zwar  den  ohnmächtigen  Versuch,  den
Nationalgeist  und  die  Hoffnungen  derselben  aufrecht  zu  er-1)

  Ein  Verzeichniß  der  1812  gebliebenen  sächsischen  Offiziere  s.  im
Dresdn.  Journ.  1862,  Nr.  193  u.  205.  —  Auch  mehrere  Werke  über
Rußland  und  Polen,  welche  Napoleon  aus  der  dresdner  Bibliothek  entnommen,
  giengen  in  Rußland  verloren;  er  befahl,  sie  aus  der  kaiserlichen
Bibliothek  zu  Paris  zu  ersetzen,  was  freilich  nicht  geschehen  ist.  Corresp.
de  Nap.  XXIV,  548.