110  Sachsen  während  des  Befreiungskriegs  von  1813.

Der  allgemeine  Wunsch  gieng  dahin,  daß  der  König  im
Lande  bleibe  und  sich  den  Verbündeten  in  die  Arme  werfe,
vielleicht  sich  auf  den  Königstein  begebe;  allein  Senfft  fürchtete
ihn  dadurch  dem  möglichenfalls  nur  vorübergehenden  Übergewichte
der  Verbündeten  zu  überliefern  und  Frankreichs  Feinden  zuzugesellen,
  bevor  dessen  Macht  in  Deutschland  niedergeworfen
sei.  Man  kam  zu  dem  auch  der  Furcht  des  Königs  vor
einem  Handstreiche  der  Verbündeten  gegen  Dresden  am  meisten
zusagenden  Entschlusse,  daß  derselbe  seine  Person  dem  Bereiche
der  Streitenden  entziehen  müsse,  obgleich  Serra  einen  Schritt
zu  verzögern  suchte,  welcher  die  Bevölkerung  entmuthigen
müsse,  Andere  ihn  widerriethen,  weil  dann  das  von  seinem
König  getrennte  Volk  sich  von  Enthusiasten  verführen  lassen
werde.  Serra's  Vorschlag,  sich  dann  wie  im  Jahre  1809
nach  Frankfurt  zurückzuziehen,  der  im  Fall  eines  Sieges  der
Verbündeten  nothwendig  den  Verlust  des  Landes  zur  Folge
gehabt  hätte,  wurde  ebenso  zurückgewiesen  wie  eine  Einladung
des  Kaisers  von  Osterreich  nach  Prag,  da  Serra  deren  Annahme
  für  eine  Abweichung  von  der  Bundespflicht  erklärte,
der  König  von  einem  Verlassen  des  Rheinbundgebiets  nichts
wissen  wollte  und  außerdem  sie  bedenklich  schien,  so  lange
Osterreichs  Absichten  noch  gänzlich  im  Dunkeln  waren  7).
Die  Nachricht  vom  Eindringen  der  Kosaken  in  die  Lausitz
brachte  am  Abend  des  24.  Februar  nach  einer  Berathung
mit  Thielmann  und  Gersdorff  den  Beschluß  der  Abreise,  zueine

  bei  künftigem  Wechsel  des  Glücks  nachtheilige  Weise  aussprechen
dürfte.  Zudem  hat  die  preußische  Denkweise  und  Verfahrungsart  weit
mehr  Anziehendes  und  Verwandtes  mit  Sachsen  als  die  österreichische
Womöglich  ist  durch  Besetzung  eines  Theiles  des  Landes  durch  Osterreicher
dieses  vor  Preußens  Einfluß  und  vor  Volksbewegungen  zu  schützen.“
Mittheilungen  eines  sächsischen  Staatsmannes,  S.  192.  Vgl.  Senkft,
p.  201.

1)  Noch  am  15.  Februar  schrieb  Friedrich  August  an  Napoleon:
O„  Ce  ne  serait  que  le  danger  le  plus  imminent,  qui  pourrait  me  porter
à  m'éloigner  Tici  en  me  dirigeant  vers  les  Etats  du  roi  de  Bavière.
Le  bras  puissant  de  mon  Grand  Allié  me  soutiendrait  sans  doute
encore  dans  une  pareille  extrémité;  mais  il  saura  méme  I'Scarter.“