Sprengung  der  dresdner  Elbbrücke.  115

Hierauf  wälzte  sich  der  immer  mehr  anschwellende  Haufe  vor
das  Brühl'sche  Palais,  Reyniers  Wohnung,  unter  dem  Geschrei:
„Fort  mit  den  Franzosen!  Reynier  heraus!“  flogen  Steine
gegen  die  Fenster.  Reynier  bewahrte  auch  hier  seine  gewohnte
Ruhe,  während  Durutte  schäumend  vor  Wuth  mit  Kartätschen
unter  den  Haufen  zu  schießen  drohte.  Der  Rath  hatte  die
Fassung  verloren.  Inzwischen  war  General  Lecoq  mit  einigen
Compagnien  Grenadieren  auf  dem  Platze  erschienen,  seinem  und
seiner  Offiziere  Zureden  gelang  es,  die  erhitzten  Gemüther  zu
besänftigen,  so  daß  abends  zehn  Uhr  die  Ruhe  wiederhergestellt
war.  Die  Grenadiere  blieben  als  Wache  vor  dem  Palais,
Lecoq  selbst  verbrachte  die  Nacht  in  Reyniers  Quartier.  Am
folgenden  Morgen  erinnerte  eine  Kundmachung  der  Immediatcommission
  daran,  „welchergestalt  Ihro  Königl.  Majestät  bei
Ihrer  Abreise  Ihre  getreuen  Unterthanen  ermahnt  haben,
durch  ein  ruhiges,  ordnungsmäßiges  Verhalten  den  alten
Ruhm  des  sächsischen  Volkes  zu  behaupten“,  und  schärfte  das
Tumultmandat  von  1791  ein;  zugleich  aber  richtete  sie  an
Reynier  eine  Remonstration  gegen  die  Fortsetzung  der  Zerstörungsanstalten,
  welche  Lecoq  durch  die  dringendsten  Vorstellungen
  unterstützte.  Allein  Reynier  glaubte  es  nun  der  französischen
  Ehre  schuldig  zu  sein,  seinen  Willen  durchzusetzen.  Es
mußten  nicht  nur  zu  seiner  Genugthuung  einige  wirkliche  oder
angebliche  Rädelsführer  —  denn  niemand  wollte  deren  erkannt
haben  —  verhaftet  und  auf  den  Königstein  gebracht  sondern
auch  die  Sprengvorrichtungen  in  der  folgenden  Nacht  durch
sächsische  Sapeurs  und  Bergleute  aus  den  potschapeler  Kohlenbergwerken
  unter  Leitung  des  Ingenieurmajors  Damm  vollendet
  werden;  die  eingelassenen  Minenkästen  waren  aber  auf
Reyniers  Befehl  mit  Sand  gefüllt.  Die  Immediatcommission
hatte  zur  Aufrechthaltung  der  Ruhe  Kavalerie  in  die  Stadt
beordert,  denn  wenn  es  dahin  gekommen  wäre,  daß  die  Infanterie
  von  der  Schußwaffe  Gebrauch  machen  mußte,  so  stand
bei  der  maßlosen  Erbitterung  des  Volkes  das  Außerste  zu  befürchten.
  Zezschwitz  beschwor  Senfft  brieflich,  „Alles  anzuwenden,
  daß  der  König  jetzt  Plauen  nicht  verlasse,  da  diese
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