118  Sachsen  während  des  Befreiungskriegs  von  1813.

Crucifix  von  der  Brücke  abnehmen;  bis  auf  ein  Commando
von  hundert  sächsischen  Schützen  räumten  am  Morgen  die
Truppen  die  Neustadt  und  die  Einwohner  wurden  durch  eine
Bekanntmachung  des  Raths  auf  Befehl  des  Fürsten  von
Eckmühl  angewiesen,  sich,  sobald  drei  Kanonenschüsse  fallen
würden,  schleunigst  in  ihre  Wohnungen  zu  begeben  und  sie  nicht
eher  als  nach  Verlauf  von  drei  Stunden  zu  verlassen.  Nach
acht  Uhr  verkündete  ein  dumpfer  Knall,  daß  die  Zerstörung.
vollbracht  sei:  ein  Pfeiler  mit  den  anliegenden  Bogen  war  in
die  Fluthen  gestürzt.  Die  Sprengung  war  meisterhaft  ausgeführt,
  von  den  gefürchteten  Verwüstungen  in  der  Umgebung
nicht  die  geringste  erfolgt.

Am  folgenden  Tage,  dem  20sten,  zog  Davout,  mit  den  heimlichen
  Verwünschungen  der  Einwohner  beladen,  nach  Magdeburg
ab,  wobei  er  unterwegs  zwischen  Meißen  und  Torgau  noch
funfzehn  Schiffmühlen  zerstörte.  Es  blieben  also  in  Dresden
zur  Bewachung  des  Stromes  auf  der  ganzen  Strecke  von
Schandau  bis  Riesa  nur  die  Division  Durutte  und  die  Sachsen
unter  Lecog  zurück,  die  selbstverständlich  nicht  entfernt  dazu
ausreichten.  Es  würde  daher  auch  die  Sprengung  der  dresdner
Brücke  militärisch  so  gut  wie  nutzlos  gewesen  sein,  wenn  nicht
die  ersten  an  der  Elbe  zum  Vorschein  kommenden  Truppen  der
Verbündeten  sich  von  Durutte  durch  Unterhandlungen,  die  angeblich
  wegen  Schonung  der  Stadt  eingeleitet  wurden,  ganz
ohne  Noth  eine  Weile  hätten  aufhalten  lassen.  Am  21sten
forderte  der  Oberst  Dawidoff,  Befehlshaber  der  Vorhut  des
Tags  vorher  in  Bautzen  eingetroffenen  Winzingerode'schen  Corps,
durch  einen  Parlamentair,  der  von  den  Bewohnern  der  Neustadt
mit  Willkommenruf  begrüßt  wurde,  die  Räumung  der  Stadt,
später  setzte  Dawidoff  selbst  mit  verbundenen  Augen  über  den
Fluß  zu  einer  Besprechung  mit  Durutte  und  Lecoq  und  ließ
sich  nicht  bloß  zu  einer  Uebereinkunft  bestimmen,  nach  welcher
die  Russen  die  Neustadt  am  folgenden  Mittag  friedlich  besetzen
sollten,  sondern  zu  einem  förmlichen  Waffenstillstande  mit
24stündiger  Aufkündigung  für  die  Strecke  von  je  einer  Meile
auf=  und  abwärts  Dresden,  während  dessen  alle  Verbindung