Sprengung  der  dresdner  Elbbrücke.  121

von  Verona,  selbst  als  Geheimniß  seinen  Grundgedanken  für
den  bevorstehenden  Feldzug  mittheilte.  Er  war  mit  den  Maßregeln
  seines  Stiefsohnes  nicht  ganz  einverstanden,  namentlich
tadelte  er  ihn,  seine  rechte  Flanke  zu  sehr  verstärkt  zu  haben.
„Ich  weiß  recht  wohl“,  schrieb  er  diesem,  15.  März,  „die
große  Frage  ist  Dresden,  aber  man  kann  ihr  nicht  ausweichen.
Ihre  Maßregeln  vertheidigen  diese  Stadt  nicht,  denn  was
helfen,  wenn  der  Feind  mit  Macht  gegen  sie  anrückt,  die
Truppen,  die  Sie  dem  Fürsten  von  Eckmühl  gegeben  haben?
Damit  setzen  Sie  sich  nur  einem  Echec  aus.  Wenn  es  nicht
im  Plane  des  Feindes  liegt  sich  mit  Macht  gegen  Dresden
zu  wenden,  so  reicht  Reynier  zu  dessen  Vertheidigung  aus,
sein  Rückzug  von  Dresden  würde  weder  ein  Schimpf  für  uns
noch  etwas  Neues  für  Europa  sein;  der  des  Fürsten  von
Eckmühl  wäre  ein  wirklicher  Affront,  er  würde  zeigen,  daß  wir
Dresden  vertheidigen  gewollt,  aber  nicht  gekonnt  haben.
Um  Dresden  zu  vertheidigen  würden  Sie  sich  mit  Ihrer  gesamten
  Macht  dahin  wenden  müssen,  aber  dadurch  würden
Westfalen,  Hannover  und  die  32.  Militairdivision  entblößt
werden,  und  ich  würde  den  Feind  lieber  in  Leipzig,  Erfurt  und
Gotha  sehen  als  in  Hannover  und  Bremen.  In  der  Nothwendigkeit
  zwischen  der  Vertheidigung  der  Unterelbe  und  der  der
oberen  zu  wählen,  wünsche  ich  die  untere  zu  vertheidigen.“  1)
Trotzdem  schien  es  ihm  von  Wichtigkeit,  Dresden,  so  lange  es
nicht  von  wenigstens  25000  Mann  angegriffen  werde,  zu  behaupten,
  und  er  erklärte  sich  deshalb  mit  der  Sprengung  der
Brücke,  mit  der  Wiederherstellung  der  alten  Festungswerke  einverstanden.
  Bald  aber,  und  jedenfalls  in  Folge  der  sächsischerseits
  erhobenen  Vorstellungen  änderte  sich  seine  Ansicht;  er
nannte  gegen  Eugen  die  Sprengung  eine  unglückliche  Maßregel,
durch  die  man  nur  den  Feind  nach  Dresden  ziehen  würde,  sei
sie  aber  unvermeidlich,  so  genüge  die  Zerstörung  eines  Bogens
um  nöthigenfalls  die  Lücke  schnell  durch  Holzwerk  schließen  zu
können,  außerdem  werde  die  Sprengung  eines  Pfeilers  die

)  Corresp.  de  Nap.  XXV,  90.