122  Sachsen  während  des  Befreiungskriegs  von  1813.

Einwohnerschaft  und  in  Folge  davon  die  sächsische  Armee  erbittern
  ).  Gegen  den  Baron  Just,  der  bei  Ueberreichung
seines  Creditives  nachdrücklichste  Beschwerde  erheben  sollte,  behandelte
  er  die  Sache  als  Bagatelle.  „Ich  erfahre“,  sagte  er
zu  ihm,  ohne  dessen  Beschwerde  abzuwarten,  „daß  man  die
dresdner  Brücke  gesprengt  hat;  es  thut  mir  leid,  es  ist  eine
Dummheit;  übrigens  ist's  eine  Sache  von  4—500000  Frcs.
Bald  wird  sich  alles  ändern;  im  Mai  werde  ich  den  König
wieder  in  seine  Staaten  einsetzen.“

Indes  so  leicht  war  die  Sache  doch  nicht  abgemacht.
Bereits  hatte  den  General  Lecoq  der  Befehl  des  Königs
erreicht,  mit  seinem  Corps  nach  Torgau  zu  marschieren,  die
Kavalerie  unter  General  v.  Liebenau,  bestehend  aus  den
Gardekürassieren,  einem  neuausgehobenen  Regimente  und  dem
Depot  der  leichten  Kavalerie,  zur  Bedeckung  des  Königs  nach
Plauen  zu  senden.  Lecoq  benutzte  den  Umstand,  daß  die
Truppen  wegen  der  Nähe  des  Feindes  unter  den  Waffen
bleiben  mußten,  um  seine  kleine  Schar  beisammen  zu  halten
und  eröffnete  Durutte  den  Willen  des  Königs;  es  erfolgte
zwischen  beiden  ein  heftiger  Wortwechsel,  in  welchem  Lecoq
so  viel  nachgab,  daß  er  erst  nach  Abschluß  der  Convention  wegen
Übergabe  der  Neustadt  abmarschieren  wolle.  Obgleich  aber
Durutte  in  ihn  drang,  wenigstens  Meißen  und  Merschwitz  als
die  Punkte,  wo  der  Feind  übergehen  zu  wollen  scheine,  zu
besetzen,  zeigte  ihm  Lecoq  am  25.  März  an:  da  ihm  besonders
  Mühlberg  bedroht  erscheine  und  er  sich  nicht  der  Gefahr
aussetzen  dürfe  von  Torgau  abgeschnitten  zu  werden,  werde  er
seine  Truppen  jenseits  dieses  Punktes  bei  Belgern  concentrieren,
aber  bei  Meißen,  Riesa  und  Strehla  Kavalerieposten,  bei
Staritz  und  Plotha  auch  noch  zwei  Compagnien  Grenadiere
stehen  lassen.  Sofort  wendete  sich  Durutte  in  einem  sehr
hohen  und  heftigen  Tone  an  den  König  selbst?)  mit  der

1)  Corresp.  de  Nap.  XXV,  121.  126.
2)  Durutte  an  den  König  von  Sachsen  25.  März  1813:  „Le  général
Reynier  m'a  assuré  due  V.  M.  avait  ordonné  au  général  Lecoq  d’exé--