124  Sachsen  während  des  Befreiungskriegs  von  1813.

Es  war  die  zwar  verschleierte  aber  thatsächliche  Lossagung
vom  französischen  Bündnisse.  Hätte  darüber  noch  ein  Zweifel
bestanden,  so  mußte  er  schwinden,  als  die  Festung  Torgau,  auf
die  Napoleon  für  die  Vertheidigung  der  Elblinie  so  großen
Werth  legte,  den  bisherigen  Bundesgenossen  fest  verschlossen
blieb.  Die  Ernennung  Thielmanns  zum  Commandanten  derselben
  war  zwar  mit  dem  Vorbehalt  erfolgt,  daß  es  Reynier
freistehen  solle,  statt  seiner  einen  Anderen  zu  designieren;  aber
Thielmann  wußte,  wie  dies  zu  verstehen  sei  1),  auch  wurde  ihm
sehr  bald  das  Commando  definitiv  übertragen.  Der  enthusiastische
  Bewunderer  Napoleons  von  ehedem  war  aber  als  ein
heftiger  Gegner  der  Franzosen  aus  Rußland  zurückgekehrt.
Mit  der  ihm  eigenen  Energie  bot  er  zunächst  alles  auf  um
die  ihm  anvertraute,  noch  keineswegs  vollendete  Festung  so  rasch
wie  möglich  in  vertheidigungsfähigen  Stand  zu  setzen.  Am
4.  März  war  sie  so  weit,  um  selbst  einer  Belagerung  allenfalls
auf  einige  Wochen  Widerstand  leisten  zu  können,  am  Zten  wurde
sie  geschlossen.  Die  Garnison  bestand  anfangs  aus  wenig  über
5000  Mann,  meistens  Rekruten,  zu  deren  Ausbildung  ihm
Reynier  12  Offiziere  und  70  Mann  von  Lecoqs  Corps  überließ.
  Zugleich  aber  meldete  sich  im  Inneren  ein  schrecklicher
Feind,  der  Typhus;  am  24.  März  zählte  man  schon  1200
Kranke  und  außerdem  begannen  nun  von  französischer  Seite
fast  täglich  sich  wiederholende  Anforderungen  und  Zumuthungen,
die  allerdings  zum  Theil  dem  wirklichen  Bedürfnisse,  zum  andern
Theil  aber  unverkennbar  der  Absicht  entsprangen,  die  Festung
in  französische  Gewalt  zu  bringen.  Nur  mit  der  größten  Mühe
konnte  sich  Thielmann  derselben  erwehren.  Das  Ansinnen,

1)  Senfft  an  Thielmann  8.  März:  „Im  Felde  hat  der  König  sein
Contingent  unter  das  französische  Commando  gestellt,  allein  über  unsere
Festung  und  ihre  Garnison  keine  fremde  Auctorität  anzuerkennen  ist
schlechterdings  Ehrensache““  Darstellung  der  Commandoführung  des
Gen.-Leutn.  v.  Thielmann  vom  22.  Februar  bis  10.  Mai  1813  auf
Grund  der  von  ihm  hinterlassenen  Correspondenz.  (Dr.  Arch.)  Bruchstücke
daraus  finden  sich  gedruckt  in  Bülau,  Geh.  Geschichten  XII,  335  ff.  —
UVgl.  v.  Holtzendorff,  S.  89ff.