132  Sachsen  während  des  Befreiungskriegs  von  1813.

pressalie  für  die  Vernichtung  der  englischen  Waaren  die  sofortige
  Beschlagnahme  aller  in  Leipzig  lagernden  französischen
Waaren,  gewährte  jedoch  auf  die  Vorstellungen  des  Raths
Aufschub,  Winzingerode  darauf  die  Zurücknahme  dieser  Maßregel;
  den  russischen  Offizieren  mußte  auf  dem  Gewandhause
ein  Ball  gegeben  werden.  Am  17ten  nahm  Major  v.  Lützow
mit  seinem  Freicorps  sein  Standquartier  in  Leipzig,  wo  ihm
zahlreiche  Freiwillige  zuströmten.

Aus  dem  Verfahren  der  Verbündeten  gegen  das  von  seinem
Könige  verlassene  Land  leuchtete  überall  die  Hoffnung,  ja  die
bestimmte  Voraussetzung  hervor,  daß  es  beim  ersten  Erscheinen
ihrer  Heere  die  französischen  Fesseln  brechen  und  auf  die  Seite
der  Befreier  übertreten  werde.  Ob  der  Vertrag  von  Kalisch
auf  Sachsen  Anwendung  finden  würde,  hing  ganz  von  dessen
Verhalten  ab,  kein  preußischer  Staatsmann  würde  je  auf  den
Gedanken  einer  Einverleibung  Sachsens  in  Preußen  gekommen
sein,  wenn  König  Friedrich  August  sich  rechtzeitig  der  Sache
der  Verbündeten  angeschlossen  hätte.  „Ihr  betretet  Sachsen
nicht  als  Feinde“,  sprach  Blücher  zu  seinen  Truppen,  „sondern
als  Befreier.  Seid  milde  und  menschlich  gegen  dieses  Volk
und  betrachtet  die  Sachsen  als  Freunde  der  heiligen  Sache  der
Unabhängigkeit,  für  welche  wir  die  Waffen  erhoben  haben;  betrachtet
  sie  als  künftige  Bundesgenossen.“

Ein  Armeebefehl  vom  2.  April  aus  Dresden  schärfte  den
verbündeten  Truppen  ein,  wenn  sie  auf  Sachsen  stießen,  nicht
auf  sie  zu  feuern,  sondern  sie  gut  zu  behandeln  und  ihnen  jede
Willfährigkeit  zu  erweisen.  Die  Wiederbesitzuahme  des  cottbusser
Kreises  allerdings  verstand  sich  für  die  Preußen  so  von  selbst,
daß  Blücher  sie  22.  März  ohne  weiteres  vollzog;  aber  sein
Erlaß  an  die  Einwohner  desselben  redete  eine  Sachsen  gegenüber
  sehr  gemäßigte  und  für  den  König,  „den  aufgedrungenen
neuen  Herrn,  der  sie  nur  gezwungen  unter  seine  Unterthanen
genommen“,  rücksichtsvolle  Sprache  1);  er  ermahnte  sie,  den
Beamten  der  sächsischen  Regierung,  die  es  väterlich  mit  ihnen

1)  Poppe  L,  44.