442  Sachsen  während  des  Befreiungskriegs  von  1813.

und  seines  Fürstenhauses  voraussahen.  In  diesem  Sinne  schrieb
v.  Miltitz,  damals  Marschcommissar  in  Winzingerode's  Hauptquartier,
  an  Thielmann#),  desgleichen  der  in  Ruhestand  getretene
  General  v.  Vieth.  Im  Fall  Napoleon  Sieger  bleiben
sollte,  hob  letzterer  hervor,  müsse  der  König  gegen  diesen  rein
erscheinen,  da  die  Festung  ohne  seinen  Befehl  übergeben  worden,
in  dem  wahrscheinlicheren  Falle  aber  des  Sieges  der  Verbündeten
  könne  Thielmann  erklären,  auf  geheimen  Befehl  des
Königs  gehandelt  zu  haben  2).  Thielmann  hätte  nicht  selbst
von  Widerwillen  gegen  alles,  was  Franzos  hieß,  erfüllt  sein
müssen,  um  das  Gewicht  dieser  Gründe  zu  verkennen;  verschiedene
  seiner  Aeußerungen  deuteten  auf  eine  bevorstehende
Anderung  der  Dinge  hin.  Aber  vor  einem  Schritt,  wie  jene
ihn  ihm  zumutheten,  schrak  er  zurück;  er  hoffte  vielmehr  durch
seine  Vorstellungen  das  sächsische  Cabinet  zu  einer  Anderung
seiner  Haltung  zu  bewegen.  Allein  der  Oberstleutnant  v.  Brause,
den  er  deshalb  nach  Regensburg  geschickt  hatte,  wurde  ebenso
wie  sein  von  dort  zurückkehrender  Adjutant  v.  Minkwitz  in
Dresden  von  Stein  zurückgewiesen,  wahrscheinlich  um  Thielmann
dadurch  zu  einer  bestimmten  Entscheidung  zu  drängen;  Stein

1)  Wurzen,  7.  April:  „Gestehen  wir  es  uns  nur  unverhohlen,  welche
unsere  wirkliche  Lage  gegenwärtig  ist.  Unser  Rönig  ist  im  Begriff  seine
Krone  zu  verlieren.  Eine  bestimmte  Weigerung  von  seiner  Seite  entscheidet
  gegen  ihn  und  sein  Haus,  ein  längeres  Zögern  wird  eine  fremde
Administration  herbeiführen  .  .;  die  gegenwärtige  Regierung  wird  außer
Thätigkeit  gesetzt,  die  Verfassung  gewaltsam  verletzt,  der  Credit  des  Landes
gestürzt,  das  Land  zerstückelt  2c.  Und  dieses  Unglück,  diese  Schmach,
wer  wird  sie  ertragen  können?  Nein,  edler  Thielmann,  das  kann  nicht
sein,  das  können  Sie  nicht  zugeben!  Retten  Sie  um  Gottes  willen,
retten  Sie  Ihr  Vaterland  vom  Verderben,  bewahren  Sie  es  vor  Entehrung!
  Und  das  ist  in  Ihrer  Macht;  denn  von  dem  Augenblicke  an,
wo  Sie  mit  Ihrer  Armee  sich  laut  und  bestimmt  für  die  gemeinschaftliche
Sache  erklären,  ist,  das  bin  ich  besugt  zu  sagen,  dem  Könige  seine  Krone
und  der  vollkommenste  und  unabhängigste  Besitz  seiner  Länder,  so  wie  er
sie  vor  dem  posener  Frieden  besaß,  zugesichert.“  Mittheilungen,  S.  260.

2)  v.  Vieth,  Auszüge  aus  den  Papieren  eines  Sachsen  (1843),
S.  20.