Thielmann  in  Torgau.  143

ließ  ihm  sagen,  er  solle  sich  beeilen  abzuschließen,  er  werde  dadurch
  die  Schwankungen  des  Königs  beenden  und  das  Verdienst
dieser  Verhandlung  werde  ausschließlich  ihm  angehören.  Es
gelang  jedoch  Thielmann,  durch  den  Oberforstmeister  v.  Schleinitz
seine  Meldung  von  der  günstigen  Stimmung  der  Verbündeten
und  eine  dringende  Mahnung  zu  einem  entscheidenden  Entschluß
nach  Regensburg  gelangen  zu  lassen  1).  Am  12ten  hatte  er
in  Prettin  eine  Zusammenkunft  mit  Kleist,  am  14ten  in  Eilenburg
  mit  Winzingerode,  Abgesandte  Wittgensteins  und  des
Königs  von  Preußen  wurden  in  die  Festung  gelassen  und  von
Thielmann  selbst  auf  den  Wällen  herumgeführt.  Alle  wiederholten
  die  nämlichen  Anträge:  daß,  da  es  ihnen  unmöglich  sei
eine  Festung  mit  11000  Mann  Garnison  in  ungewissem  Zustande
  hinter  sich  zu  lassen,  Thielmann  sich  durchaus  erklären
solle  und  zwar  unter  Bedingungen,  wie  er  sie  als  ein  treuer
Diener  seines  Königs  für  dessen  Interesse  nur'  immer  zuträglich
halten  möchte,  doch  Thielmann,  immer  noch  auf  einen  günstigen
  Bescheid  aus  Regensburg  hoffend,  suchte  sie  hinzuhalten.
Das  zur  Belagerung  von  Wittenberg  verlangte  schwere  Geschütz

1)  Thielmann  an  Senfft  14.  April:  „Zaudern  kann  uns  nur  nachtheilig,
  nie  nützlich  sein,  jetzt  noch  ist  uns  ver  übertritt  Verdienst,  in
wenigen  Wochen  ist  er  es  nicht  mehr,  und  wir  stehen  in  der  Geschichte
wie  Johann  Georg  I.  im  dreißigjährigen  Kriege.  Frankreich  gegenüber
haben  wir  schon  genug  verbrochen,  um  des  Todes  würdig  zu  sein,  und
übergeben  wir  uns  ihm,  so  ist  Kuechtschaft  unser  unvermeidliches  Los.  —
Wir  müssen  zu  sterben  wissen.  Durch  Zaudern  bringen  Ew.  Exc.  die
Nation  mit  dem  Könige  in  unauslöschlichen  Widerspruch.  Die  Fürsten
und  Grafen  v.  Schönburg,  Miltitz  v.  Siebeneichen,  Carlowitz  v.  Rauenstein,
  Welck  v.  Rabenstein,  Weisbach  v.  Frauenhain  haben  sich  schon  zur
Stellung  von  Compagnien  unter  meinen  Befehlen  erboten.  Diese  gehen
alle  mit  Preußen.  Schon  stellen  die  sächsischen  Städte  Contingente  zur
deutschen  Legion,  doch  noch  unter  der  Bedingung,  daß  solche,  sobald  der
König  sich  erklärt,  in  die  sächsische  Armee  Übertreten  sollen.  Kutusow
kann  mich  ohne  Erklärung  nicht  im  Rücken  lassen,  wie  werde  ich  also
gedrängt  werden?  Ich  beschwöre  Ew.  Exc.  sich  hierher  nach  Sachsen
zu  versetzen  und  zu  erwägen,  ob  ich  das  Instrument  sein  soll,  welches
mit  dem  Fluche  Deutschlands  der  Vorwurf  zu  treffen  hat,  die  militärischen
  Operationen  gehindert  zu  haben.“