144  Sachsen  während  des  Befreiungskriegs  von  1813.

verweigerte  er  zwar,  ließ  es  aber  einschiffen,  um  es  jeden
Augenblick  abgehen  lassen  zu  können,  schickte  auch  Wittgenstein
den  Plan  von  Wittenberg.  Ihm  selbst  gewährte  die  Connivenz
der  Verbündeten  den  Vortheil,  daß  er  einen  Theil  seiner  Truppen
aus  den  zu  Typhushöhlen  gewordenen  Quartieren  in  Cantonnements
  legen  durfte.

In  der  Nacht  zum  23sten  kehrte  Schleinitz  aus  Regensburg
zurück;  er  überbrachte  Thielmann  vom  König,  der  anfangs  über
Thielmanns  heimliche  Unterstützung  der  Beschießung  von  Wittenberg
  sehr  aufgebracht  gewesen  war  1),  ein  Handschreiben  vom
19ten  des  Inhalts:  „In  Folge  des  mit  Sr.  Maj.  dem  Kaiser
von  Osterreich  getroffenen  Einverständnisses  werde  ich  morgen
Regensburg,  verlassen,  um  mich  nach  Linz  und  Prag  zu  begeben.
  Mein  Wille  ist  dabei,  daß  die  Unabhängigkeit  der  Festung
Torgau  mit  dem  größten  Ernste  behauptet  und  gegen  jedermann
erklärt  werde  und  daß  dieselbe  nur  auf  Meinen  Befehl  im  Einverständniß
  mit  dem  Kaiser  von  Osterreich  geöffnet  werden  kann.
Indem  ich  Sie  davon  benachrichtige,  können  Sie  den  Inhalt
dieses  Befehls  auch  der  Garnison  und  der  Bürgerschaft  von
Torgau  bekannt  machen  lassen.“  Daneben  erklärte  ihm  Senfft
ausdrücklich,  daß  jedes  willkürliche  Aufstehen  in  Masse  oder  im
einzelnen  zu  irgend  einem  militärischen  Zwecke  dem  König  zu
ernstem  Mißfallen  gereichen  und  daß  dieser  jeden  Theilnehmer
an  einer  solchen  gesetzwidrigen  Handlung  als  unfähig  erkennen
werde,  in  seinem  Dienste  angestellt  zu  werden.  Gileichzeitig
erhielt  Thielmann  von  dem  sächsischen  Gesandten  v.  Watzdorf
aus  Wien  die  Nachricht,  daß  am  20sten  ein  völliges  Einverständniß
  Sachsens  mit  Osterreich  abgeschlossen  worden  sei,  was
Thielmann  sich  beeilte  den  Verbündeten  mitzutheilen,  um  dadurch
  fernere  Zumuthungen  auf  einmal  von  der  Hand  zu
weisen.

Um  so  eher  glaubte  er  aber  nun  der  seiner  Eitelkeit
schmeichelnden  Einladung  nach  Dresden  folgen  zu  dürfen,  welche

1)  Gersdorff  an  Thielmann:  „Redlich  gesagt,  würde  ich  den  Plan

von  Wittenberg  auch  gegeben,  davon  und  von  Verabfolgung  von  Kanonen
aber  nichts  geschrieben  haben.“