168  Sachsen  während  des  Befrriungskriegs  von  1813.

rungen,  der  König  nütze  der  guten  Sache  durch  seine  Einwirkung
  auf  den  österreichischen  und  die  übrigen  deutschen  Höfe
mehr,  als  wenn  er  inconsequent  sogleich  den  Spieß  umgedreht
hätte,  bei  ihnen  auf  dürren  Boden  fiel.  Besondern  Anstoß.
nahm  der  König  von  Preußen  an  dem  Ausprucke  „eingegangene
Verbindlichkeiten",  von  dem  es  unentschieden  blieb,  ob  er  sich
auf  Frankreich  oder  auf  neue  Verbindungen  beziehe.  Auf  die
Nachricht,  daß  der  König  sich  nach  Prag  begeben  habe,  sagte  er
mit  sichtlicher  Bewegung  gegen  den  General  v.  Vierth:  „Prag  ist
nicht  Dresden,  es  ist  nicht  die  Zeit,  sich  von  seinen  Unterthanen
zu  entfernen;  unter  ihnen  sein  und  sie  um  sich  versammeln.  Ich
babe  alles  vergessen  und  vergeben,  meine  Hand  ausgestreckt,
sie  ist  nicht  angenommen  worden,  traurig,  daß  in  so  großen
Momenten  noch  Mißtrauen  und  Mißverständnisse  zwischen
deutschen  Fürsten  obwalten.“  Er  sei  als  Freund  in  Sachsen
eingerückt,  versicherte  er  Zezschwitz,  in  jeder  Weise  wünsche  er
es  als  Freundesland  betrachten  zu  können;  seit  Heisters  Rückkehr
  habe  er  jedoch  diese  ihm  so  liebe  Hoffnung  aufgeben  müssen;
des  Königs  Reise  nach  Prag  unmittelbar  nach  Abgang  des
Schreibens,  das  gar  keine  Andeutung  davon  enthalte,  müsse  die
Alliierten  kränken  und  mißtrauisch  machen  1).  Es  verdient
bemerkt  zu  werden,  wie  Friedrich  Wilhelm  und  Friedrich  August,
zwei  Naturen  von  großer  innerer  Uebereinstimmung,  wesentlich
nur  durch  die  äußeren  Verhältnisse  auf  so  ganz  verschiedene
Standpunkte  gestellt  worden  waren.  Stein  dagegen  triumphierte
über  das  Fehlschlagen  von  Heisters  Sendung;  gegen  die  sächsischen
  Behörden  wurde  er  immer  heftiger;  für  den  Fall,
daß  Carlowitz  keine  befriedigende  Antwort  mitbringe,  sagte
er  die  Auflssung  der  Immediatcommission  vorher.  Letzterer
traf  die  Menarchen  nicht  mehr  in  Dresden  an;  den  an  den
König  von  Preußen  gerichteten  Brief  öffnete  Hardenberg  und
begnügte  sich  zu  bemerken,  er  enthalte  nichts  von  Wichtigteit.
Im  dresdner  Publicum  wurden  zahlreiche  Außerungen  der
Enttäuschung  und  des  Unwillens  laut,  daß  Carlowitz  den  An-)

  Mittheilungen,  S.  245.